Betriebsrat stößt Diskussion über Technologiewandel an – Wende braucht Jahre

VW setzt auf das E-Auto

Fahrzeug der Zukunft: Der Besucherandrang auf der Internationalen Automobil-Ausstellung 2009 in Frankfurt war groß, als VW das Elektroauto e-Up zeigte. Mittlerweile steht fest, dass das VW-Werk Kassel den Antrieb für den E-Up und den E-Golf bauen wird. Foto: dpa

Baunatal. Auf dem Genfer Autosalon hatten 36 Modelle mit alternativen Antrieb ihre Premiere, doch nach dem Hype der vergangenen Jahre ist die Debatte um das E-Auto deutlich sachlicher geworden.

Europas größter Autokonzern Volkswagen hält dennoch an seinen Zielen fest: Bis 2018 will der Konzern 300 000 Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb auf der Straße haben – vom Plug-In bis zum reinen E-Auto. Dies bestätigte Rudolf Krebs, VW-Konzernbeauftragter für die Elektro-Traktion.

Zwar hielt sich Krebs bei der Höhe der Investitionen und der Zahl der künftigen Mitarbeiter bedeckt. Am Rande des Dialog-Forums, zu dem der VW-Betriebsrat geladen hatte, bestätigte er, dass das Budget für die E-Traktion stetig steigt.

Nachdem die Fertigung des E-Antriebs für den VW-Kleinstwagen Up bereits an das Werk Kassel ging, erhielten die Baunataler nun auch den Auftrag für die Fertigung des Golf-E-Antriebs. Für den Up, der im zweiten Halbjahr 2013 auf den Markt kommt, kalkulierte VW im Dezember 2010 mit einem Volumen von 10 000 Stück, für den Golf dürften es einige Tausende mehr sein. „Die Fertigung ist so aufgestellt, dass je nach Kundenwunsch mehr Antriebe für den E-Up oder den E-Golf vom Band laufen können“, erklärt Krebs. „Damit hat sich das Werk endgültig für die Championsleague der E-Mobilität qualifiziert“, sagte Jürgen Stumpf, Betriebsratsvorsitzende in Baunatal.

Im Werk Kassel hat sich die Zahl der Beschäftigten in der E-Antriebs-Fertigung seit Dezember 2010 auf 200 verdoppelt. Die Investitionen liegen nach unbestätigten Informationen bei 20 Millionen Euro.

Viele offene Fragen

Damit der Technologiewandel aber nicht zum Arbeitsplatzkiller wird, setzen die VW-Betriebsräte auf Mitgestaltung. Denn würde man über Nacht Verbrennungsmotoren durch E-Antriebe ersetzen, wären 20 Prozent der Beschäftigten im VW-Konzern überflüssig, stellte Martin Rosik, Personalchef der Marke VW Pkw, fest. Viele Teile des klassischen Autobaus werden beim E-Auto nicht mehr gebraucht: der Motor, Teile des Getriebes, Einspritzpumpen und so weiter. Doch auch der Strommix trübt den Erfolg. „Mit dem jetzigen Strommix fährt ein Diesel umweltfreundlicher als ein E-Auto“, stellte Prof. Jürgen Schmid, Leiter des Fraunhofer IWES Institut Kassel fest. Je grüner der Strom, umso besser die Ökobilanz des E-Autos. Dies bedeutet, dass Deutschland bis 2030 nahezu 200 Milliarden Euro in den Energiewandel investieren muss. Dann würden die Bürger finanziell profitieren.

Schmids Prognose: Um den Wandel zur E-Mobilität mit all seinen Facetten wie Strommix, Infrastruktur der Ladestationen und Speichertechnologie für Batterien bundesweit auf den Weg zu bringen, „braucht es 40 Jahre“. In zehn Jahren könnte der Anteil der E-Autos bei den Fahrzeugen bei einem Prozent liegen, in zwanzig Jahren bei zehn Prozent. „Schneller lässt sich diese Technik nicht flächendeckend einführen.“ Und der Preis? Bei gleicher Fahrleistung und einer Strecke von 100 Kilometern kostet die Fahrt mit Diesel 7,25 Euro, mit dem E-Auto 4,40 Euro. KOMMENTAR

Von Martina Wewetzer

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