Frankfurt

Sicherheitslücken am Flughafen: „Mehr Kontrollstellen kosten Geld“

Nachdem EU-Prüfer Sicherheitslücken bei Passagierkontrollen aufgedeckt haben, fordert die Gewerkschaft der Polizei (GdP), dass der Staat wieder allein die Sicherheitskontrollen an Flughäfen übernimmt.

Harald Olschok vom Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) ist anderer Meinung.

Herr Olschok, was halten Sie von der alleinigen Sicherheitskontrolle durch den Staat?

Harald Olschok: Wenn jetzt offensichtliche Mängel allein den privaten Sicherheitskräften zugeschanzt werden, greift das eindeutig zu kurz. Die Gewährleistung der Luftsicherheit ist eine gemeinschaftliche Aufgabe von staatlichen und privaten Sicherheitskräften, die gesetzlich geregelt ist. Das hat sich bewährt in den letzten 20 Jahren. Die Bundespolizei macht die Vorgaben, und die privaten Sicherheitsdienste mit ihren rund 7000 Sicherheitskräften setzen sie um, indem sie in diesem Jahr die meisten der 207 Millionen Passagiere an deutschen Flughäfen kontrolliert haben.

Wie kam es eigentlich zur Privatisierung der Luftsicherheitsaufgabe in Deutschland?

Olschok: Es gab eine allgemeine Unzufriedenheit mit den Leistungen der staatlichen Kontrolleure. Außerdem war der Krankenstand damals sehr hoch. Also hat der Bund vor zwei Jahrzehnten beschlossen, die Kontrollen an private Sicherheitskräfte abzugeben, aber unter Aufsicht der Bundespolizei.

Sind die Arbeitsbedingungen für die Sicherheitskontrolleure heute besser?

Olschok: Die sind natürlich noch immer nicht einfach. Es gibt Spitzenzeiten, besonders in den frühen Morgen- und späten Abendstunden, in denen besonders viele Kontrollkräfte eingesetzt werden müssen. Das hat zur Folge, dass wir neben dem Stammpersonal, das Acht-Stunden-Schichten hat, auch mit vielen Teilzeitkräften arbeiten.

Wie sind die Verdienste?

Olschok: Wir zahlen nach Tarif. Das heißt, derzeit liegt die Entlohnung nach zwei Jahren bei 14 Euro die Stunde und ab April bei 14,80 Euro. Das Einstiegsgehalt liegt ab Januar bei 13,82 Euro.

Was beinhaltet die Ausbildung der Luftsicherheitsassistenten?

Olschok: Voraussetzung ist eine Ausbildung von rund 200 Zeitstunden inklusive Prüfung durch die zuständige Bundespolizei. Erst dann können private Luftsicherheitsassistenten an den Kontrollstellen eingesetzt werden. Es findet alle drei Jahre eine Wiederholungsprüfung für die Auswertung von Röntgenbildern statt und die Bundespolizei prüft in Realtests die Kompetenz der privaten Sicherheitskräfte. Deutschland hat also nicht erst auf die EU gewartet, um die eingesetzten Sicherheitskräfte an den Flughäfen zu kontrollieren.

Und wie erklären Sie sich dann die Testergebnisse?

Olschok: Das hat mehrere Gründe. Vielleicht bedarf es einer stärkeren Harmonisierung zwischen EU-Vorgaben und nationalen Vorgaben. Die Bedrohungslage an den Flughäfen erfordert ein abgestimmtes Handeln aller Beteiligten. Dazu gehören die Luftsicherheits- und Polizeibehörden, aber auch die Flughafenbetreiber, Luftfahrtunternehmen und die privaten Sicherheitsdienste. Wenn Mängel festgestellt werden, muss das bisherige Konzept auf den Prüfstand gestellt und den veränderten Anforderungen angepasst werden. Eine Möglichkeit wäre, zusätzliche Kontrollstellen zu öffnen, damit sich der Druck verteilt. Aber das kostet Geld. Da sind die Airlines gefragt, die ihre Kosten niedrig halten wollen. Denn die Luftsicherheitsgebühr trägt letztlich der Passagier. Diese beträgt zum Vergleich in Kassel-Calden zehn und in Frankfurt ab Januar 8,24 Euro.

Informationen zur Sicherheitsgebühr unter http://zu.hna.de/Sicherheitsgebühr

Zur Person

Dr. Harald Olschok (59) studierte Volkswirtschaftslehre. Er war nach seinem Abschluss als wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Freiburg und München sowie als Referent für Wirtschafts- und Sozialpolitik bei der Landesvereinigung Rheinland-Pfälzischer Unternehmerverbände tätig. Seit 1992 ist er Hauptgeschäftsführer des BDSW.

Von Melanie Triesch

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