Bieneninstitut zu EuGH-Honigurteil und Gentechnik: Abstandsregeln gehen an Realität der Imker vorbei

„Sie können Bienen nicht anleinen“

Eingestäubt mit Blütenstaub sitzt eine Biene auf einer Löwenzahnblüte. Foto: dpa

Kirchhain. Hessens Imker hätten „reichlich nachgefragt“, sagt Dr. Ralph Büchler, Chef des Bieneninstituts in Kirchhain bei Marburg. Mit dem jüngsten Gentechnik-Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), zum Glück, haben sie aber kaum zu tun. Zwar hat der EuGH die Position der Bienenhalter in Sachen Schadenersatz gegenüber Landwirten gestärkt. Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen (GVO) aber spiele in Hessen praktisch keine Rolle. Das GVO-Internetregister, in dem jedes Jahr alle Gentechnik-Bauern ihre Felder melden müssen, zeige 2011 für Hessen überhaupt keinen Eintrag.

Auf lange Sicht, so Büchler zur HNA, könne das EuGH-Urteil aber auch in Hessen wirken. Wenn jetzt die Politik über größere Sicherheitsabstände rund um GVO-Felder nachdenke, bedeute das, dass der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in der eher kleinteiligen hessischen Landwirtschaft noch unattraktiver werde. Büchler: „Bienen fliegen kilometerweit. Sie können sie ja nicht anleinen.“ Die geltenden Abstandsvorschriften für die Landwirtschaft (siehe Hintergrund) gingen an der Realität der Imkerei vorbei.

Auch sonst sieht Büchler 2011 als gutes Jahr für die Imkerei: Nasser Sommer? Kein Problem, die Honigernte des Jahres sei herausragend. Der Grund: Das tolle Sommerwetter im April und im Mai - diese Monate seien die wichtigen. Noch ein Hoffnungsschimmer: Die Zahl der Imker und Bienenvölker nehme nach langer Talfahrt seit zwei Jahren wieder leicht zu. Und: „In unseren Lehrgängen sind 50 Prozent Frauen.“

Von Wolfgang Riek

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