Sie will mit Familienpolitik punkten

Mariana Harder-Kühnel führt die AfD-Liste in Hessen an

Mariana Harder-Kühnel
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Die aus Gelnhausen stammende Rechtsanwältin Mariana Harder-Kühnel will im Herbst erneut in den Bundestag einziehen. Sie ist Direktkandidatin der AfD im Wahlkreis 175 (Main-Kinzig - Wetterau II - Schotten).

Vor der Bundestagswahl am 26. September stellen wir die hessischen Spitzenkandidaten vor. An dieser Stelle Mariana Harder-Kühnel (AFD).

Mariana Harder-Kühnel ist die Spitzenkandidatin der hessischen AfD für die Bundestagswahl. Der Landesparteitag in Volkmarsen bestätigte sie im Februar mit 60 Prozent der Stimmen. Wo sie politisch einzuordnen ist, darüber gehen die Ansichten deutlich auseinander. Die 46 Jahre alte AfD-Bundestagsabgeordnete, die im Herbst als Direktkandidatin für ihre Partei erneut in den Bundestag gewählt werden will, verortet sich selbst im moderaten Spektrum ihrer Partei. Kurz vor ihrer gescheiterten Wahl zur Vizepräsidentin des Bundestags hagelte es im März 2019 jedoch massive Kritik von Parteikollegen.

Sie warfen Harder-Kühnel vor, enge Kontakte zum völkisch-nationalistischen „Flügel“ um Björn Höcke zu pflegen. Zudem sei ein ehemaliger Mitarbeiter in ihrem Bundestagsbüro Redner beim Kasseler Pegida-Ableger Kagida und Mitbegründer des „Herkuleskreises“ gewesen. Der „Tagesspiegel“ spekulierte anschließend in einem Artikel darüber, ob der Bericht von innerparteilichen Feinden lanciert wurde, um ihr zu schaden.

Harder-Kühnel stammt aus Gelnhausen, wo sie auch das örtliche Gymnasium besuchte und ihr Abitur ablegte. Die verheiratete Mutter von drei Kindern zog für ihr Studium der Rechtswissenschaften nach Gießen. Am dortigen Landgericht legte sie später das zweite Staatsexamen ab und arbeitete anschließend bei der Frankfurter Kanzlei Frenzel & Coll.

Im April 2013 beteiligte sich die 46-Jährige an der Gründung des AfD-Kreisverbands Main-Kinzig. Seitdem engagiert sie sich auf verschiedenen Ebenen für ihre Partei. So ist sie hessische Vertreterin im AfD-Bundeskonvent, Bundesdelegierte und Sprecherin des Landesarbeitskreises Familie und ehrenamtliche Beigeordnete im Kreisausschuss des Main-Kinzig-Kreises.

Seit 2017 ist Harder-Kühnel Mitglied des Deutschen Bundestages und aktuell stellvertretende familienpolitische Sprecherin ihrer Fraktion sowie AfD-Obfrau im Familienausschuss des Bundestages. Dreimal trat sie für das Amt der Bundestagsvizepräsidentin an – und dreimal scheiterte sie mit diesem Versuch.

Familienpolitik liege ihr besonders am Herzen, schrieb Harder-Kühnel kürzlich in einer Mitteilung, in der sie ihre politischen Positionen vorstellte. Die verheiratete Mutter von drei Kindern setze sich demnach insbesondere für eine Stärkung von Familien, eine kinderfreundliche Gesellschaft und eine Willkommenskultur für Kinder ein.

Harder-Kühnel steht dabei für eine eher konservative Familienpolitik. Kindergeldzahlungen für Kinder, die im Ausland leben, lehnt sie kategorisch ab. Auf ihrem Twitter-Kanal positioniert sie sich deutlich gegen gendergerechte Sprache. Sie warnt zudem vor einer „Frühsexualisierung“ durch Aufklärungsunterricht bei Jugendlichen, den sie ablehnt.

Das gilt ihren Aussagen zufolge besonders für die Aufklärung über gleichgeschlechtliche Partnerschaften für Sechsjährige und über Homo-, Bi- und Transsexualität für Zehnjährige, die im hessischen Lehrplan vorgesehen sei; zudem fordert sie ein Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche.

In einem Interview des Hessischen Rundfunks wehrte sich Harder-Kühnel vehement gegen den Vorwurf, homophob zu sein. „Wir sind doch nicht homophob, unsere Spitzenkandidatin Alice Weidel ist bekennende Lesbe. Im Privaten kann jeder tun, was er möchte. Aber wir wehren uns dagegen, dass eine kleine laute Minderheit in so viele Bereiche eingreift.“

Krawalliges Auftreten, wie es manche in ihrer Partei an den Tag legen, ist von ihr nicht überliefert. Radikale Äußerungen über den Islam oder Zuwanderung sind von ihr nicht bekannt, auch wenn Harder-Kühnel dabei die üblichen AfD-Positionen vertritt, darunter etwa auch der Vorwurf, die Bundesregierung fördere Islamisten und Linksextremisten jährlich mit Hunderten Millionen Euro, die an zweifelhafte Vereine fließen würden, wie sie auf Twitter schreibt.

Die 46-Jährige hat kein Problem damit, auf andere Parteien zuzugehen. So hatte sie vor ihrer gescheiterten Wahl zur Bundestagsvizepräsidentin in Gesprächen mit den anderen Fraktionen für sich geworben – mit Ausnahme der Linken-Fraktion, die Gespräche mit der AfD ausschließt. (Daniel Göbel)

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