Partei beendet Mitgliedervotum

Kommentar zu SPD: "Sigmar Gabriel - Merkels neuer Gegenspieler"

Die SPD beendet am Donnerstag ihr Mitgliedervotum über den Eintritt in eine große Koalition. SPD-Chef Sigmar Gabriel zeigte sich zuletzt optimistisch, dass eine Mehrheit der teilnehmenden Mitglieder mit Ja stimmen wird. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

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Sigmar Gabriel hat hoch gepokert - und, wenn nicht alles täuscht, gewonnen: Mit überwältigender Mehrheit haben sich seine Genossen am heute zu Ende gehenden SPD-Mitgliederentscheid über die Große Koalition beteiligt. Im Verein mit der gewandelten Stimmungslage in der Partei deutet die hohe Mobilisierung darauf hin, dass die Mitglieder in dieser Woche den Weg freigemacht haben für das lange ungeliebte Bündnis mit der Merkel-Union.

Als „Volksfest der Demokratie“ bejubeln sie in der SPD jetzt den Basisentscheid. Richtig ist: Wo die Seehofer-CSU immer nur von der „Mitmachpartei“ redet und die Merkel-CDU unter leisem Murren der Kanzlerin hinterher stolpert, hat sich die Gabriel-SPD den Frust von der Seele diskutiert. Und so eine bittere Wahlniederlage in einen gefühlten Sieg verwandelt: Die lange in Agendagegner und -befürworter zerrissene SPD geht, wenn es nicht noch eine böse Überraschung gibt, halbwegs befriedet in eine Koalition, die - dank des Druckmittels Mitgliederentscheid - in vielen Punkten eine rote Handschrift trägt. Einige tausend Bürger haben zudem neu das SPD-Parteibuch erworben. Das ist die 1,6 Millionen Euro und die Nerven wert, die das Spektakel die SPD und die ganze Nation gekostet hat. Vor allzu leichtsinniger Nachahmung sei dennoch gewarnt: Poker-Partien wie diese können auch schiefgehen.

Georg Anastasiadis.

Bleibt die Sensation aus, dann heißt der große Sieger Sigmar Gabriel. Den Titel SPD-Vorsitzender trägt er seit 2009, aber wirklich zum Parteiführer gereift ist der 54-Jährige erst in den letzten Wochen. Ausgerufen wurde der SPD-Mitgliederentscheid von Gabriel aus einer Position der Schwäche - doch geendet hat er nach Wochen kämpferischer Überzeugungsarbeit des Vorsitzenden mit der Entmachtung der Rivalin Hannelore Kraft, die dies mit der Aussage eingestand, nie SPD-Kanzlerkandidatin werden zu wollen. Für Angela Merkel, die Meisterin aller Klassen in der deutschen Politik, reift ein neuer Gegenspieler heran.

Rubriklistenbild: © dpa

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