Ex-SPD-Chef lobt Merkel

Nicht nur „Rechtsradikale“: Gabriel spricht bei Lanz über AfD-Wähler - und den GroKo-Zoff

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Sigmar Gabriel bei Markus Lanz

„Ich habe da auch mitgemacht“: Ex-Außenminister Sigmar Gabriel macht sich bei „Lanz“ Gedanken über die Gründe für das Erstarken der AfD - und lobt Kanzlerin Angela Merkel.

München - Hochachtung für Kanzlerin Merkel, getroffen von den Pöbeleien von Rechts: Zum ersten Mal war Ex-Außenminister Sigmar Gabriel am Donnerstag bei Markus Lanz im ZDF zu Gast. Er sprach dabei über den GroKo-Zoff, das Erstarken der AfD, aber auch über das Verhältnis zu seinem Vater - einem überzeugten Nationalsozialisten. 

„Ich gebe zu, ich hab‘ auch Emotionen“, sagte Gabriel, auf umstrittene Reaktionen der Vergangenheit angesprochen. Gabriel hatte sich vor allem im Zuge der Auseinandersetzungen um die Flüchtlingspolitik drastisch geäußert: So hatte er nach den von rechts motivierten Ausschreitungen in Heidenau 2015 die Randalierer als „Pack“ bezeichnet und Teilnehmern einer überfallartigen Demonstration bei einem seiner Termine den Mittelfinger gezeigt.

Gabriel: AfD-Wähler nicht automatisch rechtsradikal

Diese hatten Gabriel als Volksverräter bezeichnet und gebrüllt, sein Vater habe Deutschland noch geliebt. „Ich habe einen Fehler gemacht“, sagte Gabriel über seinen Fingerzeig. „Ich habe nur eine Hand benutzt.“ Bei aller Ablehnung und Konfrontation den Randalierern gegenüber betonte Gabriel immer wieder, dass die Politik mehr den Diskurs suchen müsse. 

Für ihn ist es „undenkbar“, dass AfD-Wähler allesamt Rechtsradikale seien. Vielmehr habe er das Gefühl, dass die Politik sich um sich selbst drehe und von den Menschen entferne. Leute wählten die AfD, um sich wieder bemerkbar zu machen. Deshalb sei es wichtig, auf die Leute zuzugehen und mit ihnen zu reden. Gabriel fordert Politik auf die „alte Art“. Dabei gibt er sich selbstkritisch: Auch er habe die politischen Machtspiele mitgemacht. 

Gabriel hatte Magendrücken wegen GroKo

In diesem Jahr sei er froh gewesen über die lange ungekannte Erfahrung, mit seinen Kindern drei Wochen Sommerferien am Stück zu genießen. Er habe als „halber Polit-Rentner“, wie Gabriel sich nannte, wesentlich mehr Zeit. Diese Zeit hat der Ex-SPD-Chef nicht nur für einen Talkshow-Besuch genutzt. Bei Lanz stellte er so auch sein Buch „Zeitenwende in der Weltpolitik“ vor.

Natürlich brenne noch das Interesse für die Tagespolitik. In der letzten Zeit als Kabinettsmitglied sei er jedoch montags immer mit einem Magendrücken nach Berlin gefahren, weil ihn in der Koalition viele Streitigkeiten erwarteten und ihm klar gewesen sei: „Das nimmt kein gutes Ende.“

Hat Merkel keine „Werte“? Gabriel hält dagegen

Ein großes Lob erhält indes Kanzlerin Angela Merkel von ihm. Im September 2015 ließ die Bundesregierung aus einer Notsituation heraus zahlreiche Flüchtlinge aus Budapest nach Deutschland einreisen. Nach einer Koalitionssitzung sagte Angela Merkel zu ihm: „Herr Gabriel, eins versprechen sie mir: Wir bauen keine Zäune.“ „Und ich muss sagen“, erzählt Gabriel, „ich habe sie wegen dieses Satzes sehr geschätzt." Allen, die sagen dass Angela Merkel keine Werte oder Überzeugungen habe, widersprach Gabriel.

Er selbst ist davon überzeugt, dass die Migrationsfrage weiter das bestimmende Thema der Politik bleibe. Sie sei eine „Jahrhundertaufgabe“. „Wenn wir nicht beginnen, anders mit Afrika umzugehen, dann werden wir das Problem nicht in den Griff bekommen“, ist Gabriel sich sicher. Das Thema hänge stark an Europa - und somit an Deutschland. „Wenn Deutschland vibriert, dann wackelt Europa. Und wir vibrieren momentan ganz schön.“

chp

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