Mehrheit der Deutschen bereit zum Verzicht

Silvester: Kein privates Feuerwerk mehr? Umwelthilfe fordert Knallerei-Verbot

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Böller-Verbot am Brandenburger Tor in Berlin. Das Feuerwerk während Deutschlands größter Silvesterparty wird von der Stadt in Auftrag gegeben.

Seit dem heutigen Samstag dürfen wieder Knaller und Raketen für die Neujahrsnacht gekauft werden. Geht es nach der Deutschen Umwelthilfe, hat das private Böllern bald ein Ende.

  • Am Samstag ist der bundesweite Verkauf von Raketen und Böllern gestartet.
  • Die Deutsche Umwelthilfe fordert ein Verbot von privatem Feuerwerk.
  • Dazu soll die Sprengstoffverordnung geändert werden.

Die höchsten Feinstaubwerte des Jahres gibt es laut Jürgen Resch, Präsident der Deutschen Umwelthilfe (DUH), nach Silvester. Deshalb fordert die Organisation ein Verbot von privatem Feuerwerk.

Was ist das Anliegen der Deutschen Umwelthilfe?

Die Organisation möchte einen Jahreswechsel ohne gesundheitsgefährdenden Feinstaub, Müll und gefährliche private Böllerei. Das Silvester-Feuerwerk erzeugt laut einer Studie des Umweltbundesamts 4200 Tonnen Feinstaub. Diese Menge entspricht in etwa 25 Prozent der jährlich durch Holzfeuerungen und etwa zwei Prozent der insgesamt freigesetzten Feinstaubmenge in Deutschland.

Was unternimmt die DUH für ein Böllerverbot?

Im Juli und Oktober hatte die DUH nach eigenen Angaben für 98 deutsche Städte mit einer Feinstaubbelastung oberhalb des von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Grenzwertes einen Stopp der Böllerei gefordert. 23 von ihnen haben inzwischen ein Verbot umgesetzt.

Wird damit das Ende einer Tradition eingeleitet?

Verbote in Städten stoßen in Deutschland auf rechtliche Hürden. Damit Kommunen das Böllern leichter und großflächiger verbieten können, will die DUH nun, dass die Bundesregierung die Sprengstoffverordnung ändert. Vorbild sei zum Beispiel Paris. Dort ist das private Böllern verboten – stattdessen werden Licht- und Lasershows veranstaltet.

So ist eine Silvester-Rakete aufgebaut

Wie stehen die Bürger zu einem Böllerverbot?

Laut einer Umfrage von YouGov im Auftrag der Deutschen Presseagentur (DPA) sind Kracher und farbenfrohe Funken am Silvester-Himmel für eine Mehrheit der Bundesbürger fester Bestandteil der Jahreswechsel-Tradition. Feuerwerk ist demnach für 57 Prozent eng mit Silvester verbunden. 84 Prozent der Befragten sagten, ein Feuerwerk sei schön anzusehen. Gleichzeitig sind sich gut drei Viertel aber bewusst, dass Raketen und Böller schlecht für die Umwelt sind. 57 Prozent der von YouGov Interviewten befürworten deshalb aus Umwelt- und Sicherheitsgründen ein Böllerverbot.

Wie viele Bürger böllern noch selbst an Silvester?

Laut der Befragung im Auftrag der DPA zündet nur gut ein Viertel der Bundesbürger Feuerwerk an Silvester (27 Prozent). 12 Prozent böllern jedes Jahr, 15 Prozent gelegentlich. Für die Mehrheit (etwa 70 Prozent) ist das Zünden von Feuerwerk tabu.

Video: Diese Städte verbieten Böller und Kracher an Silvester

Wie reagieren Einzelhändler auf die DUH-Forderung?

Immer mehr Händler wollen den Böller-Verzicht unterstützen. Die Baumarktkette Hornbach kündigte jüngst an, von 2020 an in Deutschland kein Feuerwerk mehr ins Sortiment zu nehmen.

Wann darf überhaupt geböllert werden?

Vom 31. Dezember ab null Uhr und bis 1. Januar 24 Uhr darf es knallen. Regional kann das Abbrennen aber auf wenige Stunden beschränkt werden.

Wo dürfen Feuerwerkskörper gezündet werden?

Nicht überall. Tabu ist die unmittelbare Umgebung von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen. Auch nah an besonders brandempfindlichen Gebäuden – etwa in historischen Altstädten – dürfen keine pyrotechnischen Gegenstände abgebrannt werden. Manche Städte verbieten Feuerwerk und Böller zudem in bestimmten Bereichen.

Wie sollten die Feuerwerk-Reste entsorgt werden?

Abgebrannte Feuerwerkskörper, Mehrschussbatterien, Böller und verschmutze Verpackungen kommen in den Restmüll. (mit dpa)

Silvesterumsätze seit 2015 konstant hoch

Warnung vor illegalen Knallern:  Beim Feuerwerks-Kauf auf Prüfsiegel achten

Experten warnen vor den Gefahren illegaler Silvesterknaller. Diese reagierten häufig viel heftiger als offiziell in Deutschland zugelassene Feuerwerkskörper, sagte Martin Dümmel von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) auf Nachfrage.

Demnach könne etwa die nötige Verzögerungszeit nach dem Anzünden nicht gegeben sein oder der Knaller unvorhergesehen stark reagieren. Der klassische illegale Silvesterknaller sei der Blitzknallkörper, der aus dem europäischen Ausland importiert werde. Umgangssprachlich ist er auch als Polenböller bekannt. Die Bundesanstalt für Materialforschung empfiehlt, nur gekennzeichnete und geprüfte Silvesterknaller zu kaufen. 

Die Bundesanstalt hat ein eigenes Kennzeichen, bestehend aus den Kürzeln BAM, F2 und einer Zahl. Es zeigt an, dass Feuerwerk die im Vergleich zu den EU-Regeln strengeren Vorgaben in Deutschland einhält. Ist das BAM-Kennzeichen nicht auf der Verpackung, muss zumindest ein CE-Zeichen zu finden sein. Knaller ohne CE-Kennzeichnung dürfen in Deutschland gar nicht erst verkauft werden. Feuerwerkskörper der Kategorie F2 dürfen nur Personen über 18 Jahre kaufen und anzünden, so der Tüv Thüringen.

Böllerverbote in der Region Nordhessen und Südniedersachsen

Auch in der Region werden kritische Stimmen bezüglich der Silvester-Knallerei laut: Der NABU Frankenberg hat sich kurz vor dem Jahreswechsel mit einem Appell an die Bürger gewandt und ruft auf, auf Feuerwerk zu verzichten. Im Wofhager Land und im Raum Northeim ist beispielsweise die Silvester-Knallerei in Ortszentren  untersagt und auch die Stadtverwaltung Göttingen hat ein Böllerverbot eingerichtet und angekündigt es streng zu kontrollieren.

In diesen deutschen Großstädten gibt es an bekannten Plätzen Böllerverbote:

  • Berlin: In der Hauptstadt dürfen rund um das Brandenburger Tor keine Silvesterböller oder Raketen gezündet werden. Das Verbot gilt ebenso für den nördlichen Alexanderplatz sowie in Schöneberg für die Gegend zwischen Steinmetz- und Pallasstraße. Ausgenommen vom Verbot sind Wunderkerzen, Tischfeuerwerke und Knallerbsen, die ohnehin das ganze Jahr verwendet werden dürfen.
  • Hamburg: Die Polizei der Hansestadt sprach Böllerverbot rund um die Binnenalster aus. Somit darf am Jungfernstieg keine Rakete gezündet werden. Die Polizei ist zur Kontrolle vor Ort.
  • München: Die bayerische Landeshauptstadt hat ein Feuerwerksverbot für die gesamte Altstadt und die Fußgängerzone erlassen. Auf dem Marienplatz vor dem Rathaus muss somit auf das Zünden von Raketen verzichtet werden.
  • Köln: Rund um den Kölner Dom wird an Silvester wieder eine feuerwerksfreie Zone eingerichtet. Der Sicherheitsbereich ist Teil des Silvesterkonzepts, das die Stadt mit der Polizei abgestimmt hat. Die sogenannte böllerfreie Zone gilt demnach am Silvesterabend ab 18 Uhr - Besucher und deren Taschen, Koffer und Rucksäcke werden an verschiedenen Zugängen kontrolliert. „In diesen Bereich dürfen keine Böller, Raketen oder anderes Feuerwerk mitgenommen werden – dazu gehören auch Wunderkerzen“, teilte die Stadt mit.
  • Frankfurt: Die Stadt hat ein Böllerverbot für das Mainufer und den Eisernen Steg erlassen. Dort wird das städtische Feuerwerk zu bestaunen sein. Auch auf dem Römerberg ist Raketenzünden nicht gestattet. In der neuen Altstadt hingegen schon. Da besteht laut Stadtverwaltung keine Brandgefahr. Angekündigt ist aber, dass die Stadt bei Vergehen hart durchgreifen wird.
  • Dresden: Es gilt kein generelles Böllerverbot für die Innenstadt. Jedoch verweist die Stadt darauf, dass in Kirchennähe, das betrifft selbstverständlich auch die Frauenkirche, keine Knaller gezündet werden dürfen. Mindestens 200 Meter muss hier Abstand gehalten werden.
  • Hannover: In der niedersächsischen Landeshauptstadt ist Böllern in der gesamten Innenstadt tabu. Begründet wird dies mit der Sicherheit. (mit dpa)

Neben Feuerwerk gibt es noch zahlreiche andere Bräuche, das neue Jahr zu begrüßen. Wir haben uns mal in den Partnerstädten aus dem Altkreis Kassel umgehört, wie dort ins neue Jahr gefeiert wird.

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