Zwischenfall in Frankreich

Grünen-Chefin: Merkel soll alte Atomreaktoren abschalten lassen

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Sieht die neuesten Entwicklungen rund um die Atomkraftwerke mit Sorge: Grünen-Chefin Simone Peter wendet sich an Angela Merkel.

Berlin - Simone Peter nimmt Angela Merkel in die Pflicht. Die Grünen-Chefin fordert, dass sich die Bundeskanzlerin für die Abschaltung alter Atomreaktoren einsetzt.

Die Bundesvorsitzende der Grünen, Simone Peter, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aufgefordert, sich auf EU-Ebene für eine Abschaltung aller alten Atomkraftwerke in Grenznähe einzusetzen. In einem offenen Brief an Merkel erklärte Peter am Samstag, "die wachsende Gefährdung großer Teile der Bevölkerung durch überalterte, störanfällige Atomkraftwerke wie Fessenheim, Cattenom, Tihange, Doel, Beznau oder Temelin erfüllt uns mit großer Sorge". Es müsse einen EU-Atomgipfel geben, der die atomaren Risiken neu bewerte.

Die Süddeutsche Zeitung und der WDR hatten am Freitag berichtet, eine Panne in dem umstrittenen alsässischen Atomkraftwerk Fessenheim sei wesentlich dramatischer verlaufen als bislang bekannt. Demnach waren am 9. April 2014 nach einer Überflutung wegen eines Lecks in Block 1 die Steuerstäbe zum Abschalten des Reaktors nicht mehr manövrierfähig.

Der Block wurde laut SZ erst durch Einleitung von Bor ins Kühlsystem abgeschaltet - ein äußert seltenes Vorgehen. Der Betreiber des Akw, der staatliche französische Stromkonzern EDF, hatte zwar von dem Leck berichtet, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. Die französische Behörde für Atomaufsicht ASN war nach dem Störfall zunächst offenbar weder von EDF noch von der Akw-Leitung über das ganze Ausmaß der Panne informiert worden. Erst auf Nachfrage erfuhr die ASN ihrer Website zufolge Details zum Ablauf - gut zwei Wochen nach dem Vorfall.

Peter sieht "wachsende Atomgefahr"

Grünen-Chefin Peter erklärte in Berlin, der "vertuschte" Störfall in Fessenheim zeige "die wachsende Atomgefahr durch überalterte grenznahe Schrottreaktoren" wie Fessenheim und Cattenom in Frankreich und Tihange in Belgien. An Merkel appellierte sie, sich "auf europäischer Ebene mit hoher Priorität für eine Verbesserung der Atomsicherheit einzusetzen". Anrainerstaaten müssten Mitspracherechte bei allen sicherheitsrelevanten Entscheidungen erhalten.

Offenbar hätten "weder die Betreiber noch die nationalen Atomaufsichten in den benachbarten Ländern aus dem Atomunfall von Fukushima und den Ergebnissen des darauffolgenden Stresstests die notwendigen Konsequenzen gezogen", kritisierte Peter in dem Brief. Stör- und Zwischenfälle sowie systematische Mängel der grenznahen Anlagen dokumentierten "seit Jahren deren Gefährlichkeit". Die Sicherheitsrisiken müssten jetzt neu bewertet werden und zwar über die Anforderungen der Stresstests von 2012 hinaus.

afp

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