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Sind Familien mit Kindern so benachteiligt, dass der Staat eingreifen muss?

Kassel. Rund 200 Milliarden Euro gibt der Staat im weitesten Sinn pro Jahr für familienbezogene Leistungen aus - und ausgerechnet bei der Rente gibt es ein großes Defizit: Die Rentenversicherung benachteiligt nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung Väter, Mütter und Kinder massiv.

Also jene, auf die das System besonders angewiesen ist, sagt Stiftungs-Vorstand Jörg Dräger. Das Fazit der Studie lässt sich schlicht so umschreiben: „Wer Kinder hat, zahlt drauf.“

Rund 200 Milliarden Euro gibt der Staat im weitesten Sinn pro Jahr für familienbezogene Leistungen aus - und ausgerechnet bei der Rente gibt es offensichtlich ein großes Defizit: Die Rentenversicherung benachteiligt nach einer heute vorgelegten Studie der Bertelsmann-Stiftung Väter, Mütter und Kinder massiv. Also jene, auf die das System besonders angewiesen ist, sagt Stiftungs-Vorstand Jörg Dräger. Das Fazit der Studie lässt sich schlicht so umschreiben: „Wer Kinder hat, zahlt drauf.“

Sind Familien mit Kindern benachteiligt? Muss der Staat deshalb eingreifen?

Die Pro-Argumente

• Für Familien ist praktisch alles teurer: der Urlaub, das Auto, das Wohnen, das tägliche Leben, die Mobilität. Wo Eltern Geld für Führerscheine zurücklegen, fliegen Kinderlose noch mal kurz in die Karibik. • Das Statistische Bundesamt hat errechnet, dass jedes Kind seine Familie bis zum 18. Lebensjahr mindestens 120 000 Euro kostet, nur für das Allernotwendigste, ganz zu schweigen von den Kosten für ein Studium, welches die Kinder dann ja hoffentlich zu fleißigen Rentenbeitragszahlern macht.

• Überhaupt: die Rente. Hier verbirgt sich der krasseste Nachteil für Familien. Die in einem Arbeitsleben erworbenen Ansprüche heutiger Rentner werden nicht etwa von Erspartem bezahlt, sondern umgehend von jenem Geld, welches die gerade arbeitende Generation aus warmer Hand Monat für Monat abgibt. Für kinderlose Rentner zahlen fremder Leute Kinder.

Die Kontra-Argumente

• Die unterschiedliche Belastung der Bürger mit und ohne Kinder ist bereits im Steuerrecht und bei den Sozialabgaben berücksichtigt. Kinderlose bezahlen die kostenlose Mitversicherung von nichterwerbstätigen Ehefrauen und von Kindern in der gesetzlichen Krankenkasse. Kinderlose, die oft voll berufstätig sind, finanzieren über ihre Steuern die Sozialsysteme, den Bau und Unterhalt von Kindergärten, Schulen, Universitäten, die dann von Kindern der anderen Familien besucht werden.

• Ob man eine Familie gründet oder nicht, sollte tunlichst Privatsache bleiben und nicht ein Akt der Staatsraison. Aus derselben Logik darf auch nicht negativ besteuert werden, wer sich gegen Kinder entscheidet.

• Dass es zudem Millionen Deutsche gibt, die ungewollt kinderlos sind, muss bedacht werden. Sehr viele von ihnen haben nie den richtigen Partner gefunden. Und nicht wenige können aus medizinischen Gründen keine Kinder bekommen. Sie alle würde der Staat mit einer Sonderbehandlung doppelt bestrafen.

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Rubriklistenbild: © dpa

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