Salafisten sind eine kleine Minderheit, die meist gegen andere Muslime vorgeht

Wer sind die Salafisten? Antworten auf die häufigsten Fragen

Wenn die deutschen Salafisten mit ihrer Koran-Verteilungsaktion Aufmerksamkeit erregen wollten, dann war die sektiererische Splittergruppe maximal erfolgreich. HNA-Politikchef Tibor Pésza beantwortet die Fragen, die sich daraus ergeben.

Warum fallen unter den Moslems gerade die Salafisten so auf?

Der Münsteraner Arabistik-Professor Thomas Bauer begründet dies damit, dass die Salafisten anders als die meisten anderen islamischen Richtungen einen missionarischen Anspruch haben.

Was unterscheidet Salafisten sonst noch von anderen Muslime?

Thomas Bauer sagt: „In erster Linie richten sich Salafisten an andere Muslime – gegen den traditionellen, komplizierten, abwägenden, intellektuellen, gelehrten Islam. Noch stärker sind sie gegen den Sufismus (spirituell ausgerichtet, Suche nach persönlicher Gotteserfahrung). Das sind ihre Hauptfeinde. Der salafistische Glaube ist die moderne Version der wahabitischen Auslegung im Islam. Diese in Saudi-Arabien beheimatete Strömung sei innerhalb des Islam lange Zeit als primitive und abseits stehende Sekte angesehen worden, erläuterte der Arabist. Eine wichtige Eigenheit sei, dass Salafisten den Text des Koran wörtlich nehmen.

Wodurch erklärt sich überraschende Aufstieg der Salafisten?

Der Münsteraner Arabist erklärt dies mit dem Geld der saudischen Ölscheichs und der simplen Botschaft. Bauer: „Es ist eine fundamentale, aber primitive Form des Islams, die aller Mehrdeutigkeit entkleidet ist. Das spricht Leute an, die einfache Botschaften hören wollen.“

Kann denn eine Übersetzung des Korans überhaupt noch als heiliges Buch gelten?

Genau genommen wohl nicht. Die Vieldeutigkeit des arabischen Ur-Textes schwindet notwendigerweise in einer Übersetzung. Seit je müssen gläubige Muslime daher für Gebete, Rezitationen und rechtliche Auslegungen auf den arabischen Text zurückgreifen.

Was soll jemand tun, der einen Koran wieder loswerden möchte?

Wer die religiöse Schrift nur aus Höflichkeit mitnimmt, sollte bedenken, dass einige Muslime es als beleidigend ansehen, wenn man das Buch auf den Boden oder in den nächsten Mülleimer wirft – so wie man es vielleicht bei einem Werbekatalog oder Kugelschreiber machen würde. „Man sollte mit großem Respekt damit umgehen“, sagt Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin.

Auch Bibeln werden gelegentlich umsonst verteilt. Wie finden eigentlich Christen die Koran-Aktion?

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat grundsätzlich keine Bedenken. Ihr Sprecher Stephan Krebs verweist aber auf große Unterschiede zwischen den gedruckten Fassungen von Koran und Bibel. Für Christen zähle vor allem der Inhalt der Bibel, nicht das Papier. Dies sei im Islam anders, wo jedes Koran-Exemplar eine extrem große Bedeutung habe. (mit dpa und dapd)

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