Einkaufen per NFC-Technologie ist bereits in vielen Geschäften möglich

Das Smartphone als Geldbörse: So funktioniert Zahlen ohne ec-Karte

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Früher zückte man die Geldbörse: Eine Kundin zahlt an der Kasse eines Supermarkts mit ihrem Smartphone. Das Handy muss dafür eine spezielle App oder einen Chip aufweisen.

Konkurrenz für ec- und Kreditkarten: Große Handelsunternehmen wie Aldi Nord bieten ihren Kunden an, Einkäufe mit dem Handy zu bezahlen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Viele zücken beim Einkauf die Giro- oder Kreditkarte, weil sie im bargeldlosen Zahlen Vorteile sehen. Karten sind leicht, bei Verlust kann man sie sperren lassen und den meisten ist wohler, wenn sie kein oder nur wenig Bargeld dabeihaben. Jetzt zeichnet sich der nächste Trend ab: das mobile Bezahlen mit dem Smartphone. Aldi Nord zum Beispiel bietet die neue Technik in allen Filialen an.

So funktioniert die Technik

In neueren Smartphones sind NFC-Chips (Near Field Communication) eingebaut, die für das mobile Bezahlverfahren notwendig sind. Ältere Smartphones können mit sogenannten NFC-Stickern nachgerüstet werden. Die NFC-Chips sind auch in den Kassenterminals. Auf dem Handy muss eine Wallet-App des Mobilfunkanbieters installiert sein. Zusätzlich braucht man eine Guthabenkarte, auf die Geld gebucht wird. Diese bekommt man ebenfalls vom Mobilfunkanbieter. „Das gibt zusätzliche Sicherheit“, sagt Steffen von Blumröder vom Bundesverband Informationswirtschaft (Bitkom). „Wenn das Geld ausgeben ist, kann nicht mehr mit dem Handy bezahlt werden.“ Für den Datenaustausch an der Kasse sind kein Mobilfunk- oder Internet-Empfang notwendig.

So verbreitet ist die Technik 

„Bis jetzt ist das mobile Bezahlen mittels NFC-Technik an etwa zehn Prozent der Kassen in Deutschland möglich“ , sagt von Blumröder. „Ich denke, in spätestens zwei Jahren haben die Geschäfte ihre Kassenterminals flächendeckend umgerüstet.“

Die Vorteile 

„Der Verbraucher soll mehr Möglichkeiten bekommen, im Handel zu zahlen“, erklärt von Blumröder. „Außerdem geht das mobile Zahlen per Handy in der Regel schnell.“ Aldi Nord sieht das ähnlich: „Wir möchten unseren Kunden eine weitere einfache Möglichkeit des Bezahlens anbieten“, sagt eine Sprecherin.

Die Nachteile 

Viel schneller soll das Zahlen per Handy laut dem Onlinemagazin teltarif.de nicht sein. „Die unterschiedlichen Systeme sind für die meisten Kunden verwirrend und dadurch nicht schneller als Bargeld“, so ein Sprecher. Mit unterschiedlichen Systemen ist gemeint, dass manche Geschäfte außer der NFC-Technik etwa auch das mobile Zahlen per QR-Code anbieten. Und es geht auch ganz anders: Netto Marken-Discount hat zum Beispiel eine eigene App, mit der Kunden in allen Filialen bargeldlos zahlen können. Bei diesen vielen unterschiedlichen Bezahlmöglichkeiten blicken viele nicht durch.

Die Sicherheit 

„Die NFC-Technik ist sehr sicher“, sagt Steffen von Blumröder. „Der Grund ist, dass sensible Kartendaten nicht einfach auf dem Handy liegen, sondern in einer Art virtuellem Sicherheitstresor.“ Eine 100-prozentige Sicherheit könne man aber nie garantieren. Wenn das Handy verloren geht oder gestohlen wird, sollte man schnell seine Simkarte sperren lassen, dann käme niemand an die Daten ran.

Deutsche zahlen gern bar

So mancher Volkswirt würde Bargeld am liebsten ganz abschaffen. Doch davon ist Deutschland weit entfernt, auch weil die vielen Bezahlwege ohne Schein und Münze sich nur schleppend durchsetzen. Ganz so schnell lassen sich Schein und Münze nicht aus Deutschland verdrängen.

Drei Viertel der Deutschen sind gegen eine Abschaffung des Bargelds, ergab eine repräsentative Erhebung des Meinungsforschungsinstituts YouGov. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC stellte fest, dass vier von zehn Verbrauchern nicht bargeldlos mit ihrem Mobiltelefon bezahlen möchten. Vor allem die Angst vor dem Klau sensibler Bankdaten bremst die Begeisterung vieler Menschen für moderne Technologien.

Konkurrenz wächst

Noch ist Bargeld Zahlungsmittel Nummer 1 in Deutschland, wie die Bundesbank in ihrer jüngsten Studie zu dem Thema feststellte. Mehr als die Hälfte (53,2 Prozent) der Umsätze an der Ladenkasse werden bar abgewickelt. Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele macht der klassischen Finanzbranche Hoffnung: „Zahlungsverkehr erfordert letztlich immer noch Banken. Auch Apple Pay, PayPal und Co. müssen letztlich die Zahlung von einem Konto eines Kunden erhalten.“

Die Branche nimmt die digitale Herausforderung zunehmend an, experimentiert mit neuen Filialmodellen, entwickelt eigene Apps, kooperiert mit Jungunternehmen. Yapital, eine Tochter des Handelskonzerns Otto, wirbt etwa damit, dass Nutzer sich schnell auch untereinander kostenlos elektronisch Geld senden können – etwa wenn man im Restaurant für die gemeinsame Rechnung zusammenlegen will. Einziges Problem derzeit: Die Reichweite. Vier Jahre nach dem Start hat der Online-Bezahldienstleister nach eigenen Angaben noch nicht einmal 100.000 Nutzer. (dpa)

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