Einige Radfahrer fahren mit Polizeibegleitung dennoch

SEK vereitelt Terroranschlag in Hessen - Radrennen abgesagt

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Die hessische Polizei hat möglicherweise einen terroristischen Anschlag bei Oberursel vereitelt.

Die Beamten nahmen in der Nacht zu Donnerstag ein Ehepaar fest – dabei handelt es sich um einen 35-jährigen Deutschen mit türkischen Wurzeln und seine 34-jährige türkische Ehefrau. In ihrer Wohnung fanden die Polizisten neben einer Rohrbombe 100 Schuss Munition, Teile eines Sturmgewehrs G3 und eine Übungsgranate für eine Panzerfaust.

Die Polizei geht derzeit von einem salafistischen Hintergrund aus. Innenminister Peter Beuth (CDU) bestätigte am Nachmittag im Landtag den Zugriff. Dadurch sei vermutlich ein terroristischer Anschlag verhindert worden

Möglicherweise planten die beiden bei einem Radrennen am 1. Mai in der Region zuzuschlagen, weshalb die Polizei jetzt zugriff.

Dabei könnte es sich um das Radrennen „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ mit 6000 Teilnehmern handeln, das am Freitag in der Gegend stattfinden sollte und auch durch Oberursel führt. Dieser Verdacht war entstanden, nachdem Ermittler einen Abschnitt der Strecke durchkämmten. Die Täter sollen sich entlang der Strecke mehrfach aufgehalten haben.

Aktualisiert am Freitag um 11.30 Uhr.

Am Donnerstagnachmittag teilte die Polizei mit, dass das Rennen abgesagt wird. Die Absage des Radrennens sei ein drastischer Schritt, aber nötig wegen Hinweisen auf eine eventuelle Gefährdung der Bevölkerung, erklärte das Landeskriminalamt LKA. Zwar sei ein geplantes Anschlagziel weiterhin nicht bekannt. "Allerdings gab es deutliche Überschneidungen von Streckenverlauf des Radrennens und Bewegungsprofil der festgenommenen Personen", hieß es in der Mitteilung. Weil noch zu viele Fragen offen seien, gehe die Sicherheit vor. Am Abend kündigte das LKA an, trotz der Absage an der Strecke präsent sein zu wollen.

Sportler und Veranstalter zeigten sich enttäuscht, äußerten aber Verständnis für die Entscheidung. "Für den Sport, die Zuschauer und die vielen Ehrenamtlichen ist das natürlich ein schwerer Schlag. Aufgrund der Gefahrenlage ist es aber eine verständliche Entscheidung des LKA", sagte Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, am Donnerstagabend der Deutschen Presse-Agentur. "So etwas, was in Boston passiert ist, will natürlich niemand erleben." Im April 2013 war der Boston-Marathon Ziel eines Anschlags gewesen.

"Hier herrscht große Fassungslosigkeit", sagte eine Sprecherin des Veranstalters nach der Entscheidung der Deutschen Presse-Agentur. Die Radprofis hatten beim traditionellen Zusammenkommen am Abend vor dem Rennen in Eschborn von der Absage erfahren.

Trotz der Absage des Radklassikers sind zahlreiche Hobbyfahrer am Freitag auf die Strecke gegangen. Veranstaltungschef Bernd Moos-Achenbach gab um kurz nach 9 Uhr in Eschborn den Startschuss für das Jedermann-Rennen, bei dem die Teilnehmer auch ein Zeichen gegen Gewalt und Terror setzen wollen.

Innenminister Peter Beuth sagte, dass das festgenommener Paar schon längere Zeit beobachten worden sei. Es soll unter anderem dadurch aufgefallen sein, weil es größere Mengen an Materialien kaufte, mit denen Sprengstoff hergestellt werden kann. Darunter waren drei Liter Wasserstoffperoxid, das die Frau unter falschem Namen in einem Baumarkt gekauft hatte. Der Baumarkt habe die Polizei informiert.

Wer Wasserstoffperoxid mit einer Konzentration von zwölf Prozent oder höher kauft, muss beim Verkäufer seine Personalien hinterlassen, teilte das Landeskriminalamt Hessen auf Anfrage mit.

Der 35-Jährige hat nach Angaben der Polizei vor Jahren Verbindung zur islamistischen Sauerland-Gruppe gehabt.

Vier Mitglieder dieser Gruppe waren 2012 wegen der Planung von Terroranschlägen verurteilt worden.

In dem Haus befanden sich auch zwei Kleinkinder, um die sich jetzt das Jugendamt kümmert.

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