Soll das Wahlalter auf 16 gesenkt werden? Ein Pro und Contra

Die Bertelmann-Stiftung wirbt für eine Senkung des Wahlalters, doch die Mehrheit der Deutschen lehnt das ab. Auch in der Redaktion gibt es unterschiedliche Meinungen.

Pro

Wolfgang Blieffert: Reif für das Wahlrecht 

Drei Argumente für ein generelles Wahlrecht schon mit 16 Jahren:

1. Die Pubertät ist im Lebenslauf junger Menschen heute nach vorn gerückt, Jungen und Mädchen sind früher sozial reif, sie können und müssen selbstständig Entscheidungen über Bildungsweg und Lebensgestaltung treffen.

Wolfgang Blieffert

2. Entgegen allen Klischees von einer imInternet rumhängenden Jugend sind viele junge Menschen heute interessiert und engagiert, sie machen als Schüler Auslandsjahre, sie mischen mit, sei es in der Freiwilligen Feuerwehr oder bei Umweltinitiativen.

3. Ihnen das generelle Wahlrecht mit 16 zu geben, ist ein Angebot, die Zukunft unseres Landes mitzugestalten, vor allem bei Entscheidungen, die kommende Generationen nachhaltig beeinflussen.

Möglich ist natürlich, dass die Wahlbeteiligung der 16- und 17-Jährigen unterdurchschnittlich bleibt. Möglich auch, dass sie Parteien präferieren, die den Älteren nicht zusagen. Das ist aber nicht der Punkt. Es geht vielmehr um den Versuch, mehr Demokratie zu wagen.

Kontra:

Christiane Geier: Zwei Jahre zu früh 

Mit 16 darf man in Deutschland noch nicht eigenständig Autofahren, man darf ohne Begleitung nur bis Mitternacht ausgehen, auch das Strafrecht geht mit 16-Jährigen milder um. Die Grenze von 18 Jahren hat sich in vielen Bereichen bewährt. Erst mit dem 18. Geburtstag ist man volljährig und darf wählen.

Christiane Geier

Denn mit dem Wahlrecht ist eine großeVerantwortung verbunden. Schule und Bildungspolitik können aber nicht gewährleisten, dass jeder 16-Jährige eine eigenständige Wahlentscheidung treffen kann. Zu viele Jugendliche verstehen politische Zusammenhänge und komplexe Probleme nicht, oder haben null Bock auf die Politik, wie sie sich heute oft darstellt.

Sicher gibt es Ausnahmen: Für die, die sich schon vor ihrem 18. Geburtstag mitmischen wollen, gibt es in Jugendverbänden und Schülervertretungen unzählige Möglichkeiten. Das Wohl unserer Gesellschaft hängt jedenfalls nicht davon ab, dass man zwei Jahre früher wählen kann.

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Rubriklistenbild: © dpa

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