Arbeitslos wegen befristeter Verträge

Im Sommer droht Lehrern der Gang zum Arbeitsamt

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Des einen Freud, des anderen Leid: Viele Lehrer mit einem befristeten Vertrag sind in den Sommerferien arbeitslos.

Jedes Jahr, wenn Schüler die Sommerferien kaum mehr abwarten können, packen einige Lehrer ihre Tasche zusammen, ohne zu wissen, ob und wo sie nach den Ferien unterrichten werden.

Denn viele befristete Verträge von Lehrern enden mit Beginn der Ferien. Es droht die Sommerarbeitslosigkeit. „Das ist unsäglich“, sagt Birgit Koch, hessische Landesvorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW).

So haben sich in den Monaten Juli und August im vergangenen Jahr 1000 Lehrer mehr in Hessen arbeitslos gemeldet, als es im Vergleich zu den anderen Monaten sonst üblich ist. Hessen lag damit im bundesweiten Vergleich auf dem dritten Platz. In Niedersachsen waren es laut Arbeitsagentur 600. Dem Kultusministerium sind diese Zahlen offenbar nicht bekannt. Die Behörde beziffert die Zahl für das vergangene Schuljahr auf etwa 300. In den Vorjahren lagen diese Zahlen auf einem ähnlichen Niveau.

Eine Durchzahlung in den Sommerferien wäre mit Kosten in Millionenhöhe verbunden, wie das Beispiel Baden-Württemberg zeigt. Der Südwestdeutsche Rundfunk (SWR) hat dort herausgefunden, dass eine Weiterbeschäftigung mit Mehrkosten in einer Größenordnung von rund 3,5 Millionen Euro verbunden wäre. Dort meldeten sich 2015 über 2000 Lehrer mehr arbeitslos als im monatsüblichen Durchschnitt. Deutschlandweit waren es 7000 Lehrkräfte - aktuelle Zahlen für dieses Jahr liegen Ministerien, GEW und Arbeitsagentur noch nicht vor.

Besonders häufig sind laut Arbeitsagentur jüngere Lehrkräfte von der Arbeitslosigkeit in den Ferien betroffen - 62 Prozent waren unter 35 Jahre alt. Aber: Viele Lehrer erhalten mit Beginn des neuen Schuljahres wieder einen Job.

Für einige Lehrer gibt es während der Sommerferien aber nicht einmal Arbeitslosengeld: Wer das erhalten will, muss in der Regel ein Jahr durchgängig angestellt gewesen sein und in die Versicherung eingezahlt haben. Aushilfslehrer mit Verträgen bis zum letzten Schultag erfüllen diese Voraussetzung aber nicht immer.

Die Gründe für befristete Stellen sind vielfältig: Sie kämen zustande, wenn verbeamtete Lehrer wegen Elternzeit oder Krankheit ausfielen. Diese Stellen müssten für Beamte wegen des Rückkehrrechts vorgehalten werden, teilte das hessische Kultusministerium mit.

In den vergangenen Jahren bis zum Jahr 2015 sei der Anteil der befristeten Stellen aber erheblich gesenkt worden - von 3573 Stellen im Jahr 2010 auf 2649 im Jahr 2014/15. Durch die Notwendigkeit, Flüchtlinge zu beschulen, sei die Zahl zuletzt aber wieder gestiegen.

Insgesamt könnte die Arbeitslosigkeit in den Sommerferien in den kommenden Jahren aber sinken: In Niedersachsen erwartet die Gewerkschaft GEW einen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Stellen wachse, denn das Land schaffe innerhalb von drei Jahren rund 3000 neue Stellen. Ähnlich dürfte sich die Situation auch in Hessen entwickeln - auch hier will das Land 1100 neue Stellen im kommenden Jahr schaffen.

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