Kirchen, Sportbund und Gewerkschaft gründen Landesallianz für den freien Sonntag

Sonntag soll ein Ruhetag bleiben

„Der Sonntag wird immer mehr zum Werktag“: Andreas Luttmer-Bensmann. Foto:  dpa

Hannover. Vertreter aus Kirchen und Verbänden fordern ein Umdenken bei der Sonntagsarbeit in Niedersachsen. „Der Sonntag wird immer mehr zum Werktag“, sagte Andreas Luttmer-Bensmann von der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) gestern in Hannover.

In den vergangenen Jahren habe die Zahl der Erwerbstätigen, die am Sonntag arbeiten müssen, massiv zugenommen. „Dabei steht sogar in der Verfassung, dass Sonn- und Feiertage als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung geschützt sind“, sagte Luttmer-Bensmann. Diese Feiertagsruhe werde jedoch aus wirtschaftlichen Interessen immer weiter ausgehöhlt.

Um den Sonntag zu schützen, haben zehn kirchliche Verbände, der Landessportbund und die Gewerkschaft Verdi jetzt die Landesallianz für den freien Sonntag gegründet. „Wir sind inzwischen an einem Punkt, an dem alle gesellschaftlichen Kräfte in unserem Land gebündelt werden müssen, um der Aushöhlung des Sonn- und Feiertagsschutzes endlich ein Ende zu setzen“, heißt es in der Grundsatzerklärung.

„2010 haben rund elf Millionen Deutsche regelmäßig an Sonntagen arbeiten müssen, 1995 waren es noch 7,7 Millionen“, betonte Susanne Kremer, stellvertretende Verdi-Landesleiterin Niedersachsen-Bremen. In Niedersachsen gebe es zudem inzwischen rund 300 Ausflugs- und Luftkurorte, in denen an 46 Sonntagen Geschäfte ohne Begründung öffnen dürfen. „Das geht nicht, wir müssen uns zurückbesinnen auf den Schutz des Sonntags.“

Das Bündnis fordert daher, dass nur „notwendige, im Sinne des Bundesverfassungsgerichts begründete gesetzliche Ausnahmen vom Sonn- und Feiertagsschutz zugelassen werden“. Um dies gewährleisten zu können, müsse das niedersächsische Ladenöffnungsgesetz geändert werden. Die schwarz-gelbe Landesregierung um Ministerpräsident David McAllister (CDU) nehme das Problem nicht ausreichend zur Kenntnis. „Das hat zuletzt die Genehmigung für Sonntagsöffnungszeiten bei Gartenbaucentern eindeutig gezeigt“, betonte Luttmer-Bensmann.

Kritik an Ausnahmen

Das für das niedersächsische Ladenöffnungsgesetz zuständige Sozialministerium kann die Kritik nicht nachvollziehen. „Der Sonn- und Feiertagsschutz hat bei uns oberste Priorität“, sagte ein Sprecher von Ministerin Aygül Özkan. Der Sonntag als Ruhetag habe einen hohen Wert, daher werde Arbeit am Sonntag nur sehr restriktiv gestattet. Landesweit gebe es - abgesehen von Ausnahmen - derzeit nur vier verkaufsoffene Sonntage. (lni)

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