Viele boten Fremden Obdach

Soziale Netzwerke dienen nach den Anschlägen der Suche nach Vermissten

Hilferuf: Auf Twitter haben zahlreiche Nutzer nach den Anschlägen nach Freunden und Verwandten gesucht. Screenshot:  Twitter

Paris. In Krisensituationen wie bei den Attentaten in Paris spielen soziale Netzwerke eine stetig wachsende Rolle. Sie bringen Helfer und Hilfesuchende zusammen. 

Im Kurznachrichtendienst Twitter haben Nutzer kurz nach den Attacken den Hashtag #RechercheParis  angelegt. Unter diesem Stichwort suchten Einwohner von Paris nach ihren Freunden und Verwandten, zu denen sie keinen Kontakt aufbauen konnten.

„Meine Freundin wollte in den Club Bataclan gehen, ich habe seitdem nichts von ihr gehört“, schreibt eine verzweifelte Nutzerin. Im Anhang ein Bild ihrer Freundin. Ein anderer Tweet zeigt den 14-jährigen Obdachlosen Jawed. „Bitte, irgendwer muss ihn doch gesehen haben.“ Einige der Nutzer geben später selbst Entwarnung, andere erhalten die erhoffte Nachricht, dass die Gesuchten wohlauf sind. So wie bei der 28-jährigen Valeria Solesin, einer Gaststudentin aus Italien, die die Attacke im Club Bataclan überlebt hat. Andere betrauern im Netz die Opfer. Damit wurde Twitter auch zum Online-Totenbuch.

Parallel boten Hunderte Bewohner von Paris unter dem Stichwort #PortOuverte („offene Tür“) ihre Wohnung für all jene an, die wegen der Anschläge nicht nach Hause konnten – auch für Deutsche, die nach dem Länderspiel ihr Hotel nicht erreichten oder an der Heimreise gehindert wurden. Zudem sammelten Einwohner nützliche Hinweise wie Notrufnummern und Adressen von Hilfseinrichtungen.

Gestört wurde diese Hilfsbereitschaft nur von jenen, die unter den eingerichteten Stichworten nicht halfen, sondern ihr Beileid zum Ausdruck brachten, oder – viel schlimmer – die Anschläge begrüßten.

Bei Facebook reagierten die Entwickler auf die Terrorserie und stellten eine Funktion zur Verfügung, mit der Paris-Besucher oder Anwohner ihren Online-Freunden mit einem Klick mitteilen konnten, dass sie in Sicherheit sind. Dort können Nutzer auch nach Freunden suchen und sich vergewissern, ob sie in Sicherheit sind. Die Funktion war ursprünglich für Naturkatastrophen vorgesehen.

Lesen Sie dazu auch:

- News-Ticker zum Terror in Paris: Europa wird bedroht

- Anschläge in Paris: Riesige Anteilnahme in den sozialen Netzwerken

- "Der Kampf um Worte" - Jens Nähler über die schwarze Nacht von Paris

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.