Umfrage zu 150-jährigem Jubiläum

Ruf der SPD ganz anders, als die Partei denkt

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Der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel

Berlin - Die SPD hält sich selbst immer noch für einen Arbeitnehmer-Partei. Bei einer Mehrheit der Bundesbürger kommt sie jedoch ganz anders an. Das ergab nun eine Umfrage.

150 Jahre nach Begründung der deutschen Sozialdemokratie sieht die Mehrheit der Bundesbürger einer Umfrage zufolge die SPD nicht mehr als Vertreter der Arbeitnehmer. 59 Prozent sind der Meinung, dass die Partei nicht mehr die politischen Interessen der Arbeitnehmer vertritt. Nur 35 Prozent sehen das laut dem aktuellen „Deutschlandtrend“ im ARD-„Morgenmagazin“ (Freitag) anders. Von den SPD-Anhängern glauben allerdings noch zwei Drittel (66 Prozent) an die ursprüngliche Ausrichtung ihrer Partei.

In der aktuellen Sonntagsfrage verbessert sich die SPD leicht auf 27 Prozent (plus 1) der Wählerstimmen, die CDU/CSU liegt wie in der Vorwoche bei 41 Prozent. Auch die Grünen mit 14 Prozent und die Linkspartei mit 6 Prozent halten sich stabil. Für die FDP würden sich weiterhin 4 Prozent entscheiden, damit wäre ihr Wiedereinzug in den Bundestag gefährdet. Die Piratenpartei und die euroskeptische Alternative für Deutschland verlieren jeweils einen Punkt auf nun 2 Prozent. Eine mögliche rot-grüne Koalition käme demnach auf 41 Prozent der Wählerstimmen, hätte aber keine Mehrheit.

150 Jahre Sozialdemokratie: Geschichte der SPD

Vor 150 Jahren gründet sich der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein, der Vorläufer der SPD. Das Datum gilt als Geburtstag der deutschen Sozialdemokratie. Parteiverbote, Vereinigungen und Regierungsbeteiligungen - eine Chronologie: © dpa
1863: Ferdinand Lassalle gründet am 23. Mai den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) in Leipzig.Die Aufnahme von führenden Mitgliedern entstand um 1900. © dpa
1869: August Bebel und Wilhelm Liebknecht (Foto) rufen in Eisenach die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) ins Leben. © dpa
1875: Auf einem Einigungsparteitag in Gotha schließen sich die beiden Organisationen zur Sozialistischen Arbeiterpartei zusammen.Auf dem Foto ist die Gründungsstätte zu sehen. 1877: Bei der Reichstagswahl erhält die Sozialistische Arbeiterpartei 9,1 Prozent der Stimmen und 12 Sitze im Parlament. © dpa
1878: Das „Sozialistengesetz“ unter Reichskanzler Otto von Bismarck verbietet die Partei für zwölf Jahre bis September 1890. Danach wird sie in Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) umbenannt.1891: Auf einem Parteitag in Erfurt gibt sich die SPD ein neues Programm und wird zur Massenpartei - für die Rechte von Arbeitern.1917: Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) spaltet sich nach innerparteilichem Streit ab. © dpa
1918: Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges ruft der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann am 9. November in Berlin die Republik aus. SPD und USPD bilden für kurze Zeit eine Revolutionsregierung. © dpa
1919: Nach den Wahlen zur Nationalversammlung wird der Sozialdemokrat Friedrich Ebert Reichspräsident.1925: Die seit 1922 vereinigte Partei aus SPD und USPD gibt sich auf dem Heidelberger Parteitag ein neues Grundsatzprogramm. © dpa
1933: Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar endet die Weimarer Republik. Die Sozialdemokraten (im Bild Otto Wels) lehnen am 23. März das Ermächtigungsgesetz ab, im Juni verbietet Hitler die SPD. In der Folge werden zahlreiche Sozialdemokraten verfolgt, ermordet und in Konzentrationslagern eingesperrt.1946: SPD und KPD werden in der sowjetischen Besatzungszone unter Druck zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) vereint. © dpa
1959: Mit dem Godesberger Programm wandelt sich die SPD im Westen von einer Klassen- zu einer pluralistischen Volkspartei. © dpa
1966: Zum ersten Mal ist die SPD in der Bundesrepublik an einer Regierung beteiligt: der Großen Koalition mit der CDU/CSU. © dpa
1969: Willy Brandt ist Bundeskanzler der SPD/FDP-Koalitionsregierung. Nach seinem Rücktritt wegen der Affäre um den DDR-Spion Günter Guillaume folgt ab 1974 Helmut Schmidt als Kanzler (bis 1982). © dpa
1989: In der DDR wird im Oktober die Sozialdemokratische Partei (SDP) in Schwante gegründet. 1990 benennt sie sich in SPD um. Die Partei ist am Übergangskabinett unter Hans Modrow (PDS) beteiligt und nach den Volkskammerwahlen am 18. März in der Regierungskoalition.1990: West- und Ost-SPD vereinigen sich zu einer gesamtdeutschen SPD. © dpa
1998: Dritter SPD-Bundeskanzler wird Gerhard Schröder (bis 2005). Die SPD regiert mit den Grünen. Mit dem Namen Schröder sind auch die umstrittenen Arbeitsmarktreformen der „Agenda 2010“ verbunden. © dpa
2005: Vorzeitige Neuwahlen nach einer verlorenen Vertrauensfrage im Bundestag bringen das Ende der rot-grünen Koalition. Es folgt eine schwarz-rote Regierung, Franz Müntefering wird Vize-Kanzler. © dpa
2009: Die SPD kommt mit Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier auf nur 23 Prozent der Stimmen und verliert ihre Regierungsbeteiligung. © dpa

Das Institut Infratest dimap befragte am 21. und 22. Mai 1008 Bundesbürger. Die Fehlertoleranz liegt bei 1,4 bis 3,1 Prozentpunkten.

dpa

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