Er war auch Minister unter Kanzler Schröder

Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe ist tot - Trauer um „Vater des modernen Brandenburgs“

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Manfred Stolpe (SPD) ist im Alter von 83 Jahren gestorben.

Der SPD-Politiker Manfred Stolpe ist gestorben. Er war Ministerpräsident von Brandenburg und Minister in der Bundesregierung von Gerhard Schröder.

  • Der SPD-Politiker Manfred Stolpe ist gestorben.
  • Er war längjähriger Regierungschef in Brandenburg.
  • Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke äußert sich.

Potsdam - Er galt als Vordenker einer „Kirche im Sozialismus“, Gerhard Schröder (SPD) bezeichnete ihn als „Gesicht des Ostens“ - und er war als erster Ministerpräsident in Brandenburg sehr beliebt. Nun ist der SPD-Politiker Manfred Stolpe nach einer langjährigen Krebserkrankung im Alter von 83 Jahren gestorben. Das teilte die Staatskanzlei Brandenburg in Potsdam am Montag im Namen der Familie mit. Manfred Stolpe sei nach langer Krankheit „friedlich eingeschlafen“.

Manfred Stolpe ist tot - Ministerpräsident Woidke: „Vater des modernen Brandenburgs“

Der am 16. Mai 1936 in Stettin geborene Jurist war von 1990 bis 2002 Regierungschef in Brandenburg. Nach seinem überraschenden Rücktritt wurde er im Herbst 2002 Bundesverkehrsminister in der damaligen rot-grünen Bundesregierung und blieb bis Ende der Legislaturperiode 2005 im Amt.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sprach am Montag von einem „Tag tiefer Trauer“. „Wir nehmen Abschied von einem großen Mann, der unser junges Land geprägt hat wie niemand sonst. Manfred Stolpe war der Vater des modernen Brandenburgs“, erklärte Woidke.

Video: Schon seit dem Sommer kämpfte der Politiker gegen Krebs

Manfred Stolpe (SPD) galt als ein Vordenker einer „Kirche im Sozialismus“

Stolpe studierte nach dem Abitur in Greifswald ab 1955 an der Uni Jena Rechtswissenschaften. Danach zog es ihn in den Kirchendienst. In der DDR galt er als Vordenker einer Kirchenpolitik, die sich als „Kirche im Sozialismus“ verstand. In den 1980er Jahren war er als Konsistorialpräsident der Ostregion der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg auch im Westen bekannt. 

1990 wurde Stolpe SPD-Mitglied, trat als Spitzenkandidat an und wurde im November von einer Ampelkoalition aus SPD, FDP und Bündnis 90 zum ersten Ministerpräsidenten Brandenburgs gewählt. Einen Namen machte sich Stolpe dabei als Vertreter der Interessen Ostdeutschlands. Er forderte staatliche Programme zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und eine Kurskorrektur bei der Treuhandanstalt, die Volkseigene Betriebe fit machen und privatisieren sollte.

Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Stolpe hatte eine Krebserkrankung

Manfred Stolpe und seine Ehefrau Ingrid Stolpe waren beide an Krebs erkrankt. In der ARD-Sendung „Menschen bei Maischberger“ machten sie das 2009 publik. Die erste Krebsdiagnose traf bereits 2004 im Amt als Bundesverkehrsminister. Weder seine Mitarbeiter noch damalige Kanzler Gerhard Schröder (SPD) wussten von seiner Krankheit. Nur Franz Müntefering war im Bilde.

Dennoch arbeitete Manfred Stolpe ohne große, offensichtliche Einschränkungen weiter. Damals wurde er wegen der LKW-Maut heftig angegriffen.

Manfred Stolpe durfte nicht Stasi-Mitarbeiter genannt werden

Seine Vergangenheit wurde immer wieder kritisch thematisiert. Stolpe hatte als Kirchenfunktionär Kontakte mit der Stasi, die Behörde führte ihn gar als Inoffiziellen Mitarbeiter. Die Leitung der evangelischen Kirche erklärte Mitte der 1990er Jahre nach einer Untersuchung, Stolpe sei ein „Mann der Kirche und nicht der Stasi gewesen“. 

2005 bekam Manfred Stolpe nach langem Rechtstreit um Stasi-Vorwürfe  vom Bundesverfassungsgericht Recht. Das Karlsruher Gericht hob ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) aus dem Jahr 1998 auf. Der BGH hatte damals eine Äußerung gebilligt, wonach Stolpe im Dienst der Staatssicherheit tätig gewesen sei. Stolpe sprach damals von später Genugtuung.

Gerhard Schröder (SPD) bezeichnetet Stolpe als „Gesicht des Ostens“

In den 1990er Jahren war Stolpe in Brandenburg sehr beliebt - doch Vorzeigeprojekte wie der Lausitzring, der Cargolifter oder die Chipfabrik in Frankfurt/Oder scheiterten oder liefen nicht wie erhofft. Überraschend erklärte Stolpe 2002, als Regierungschef zurücktreten zu wollen, um einen Generationenwechsel zu ermöglichen.

Ähnlich überraschend wurde Stolpe wenige Monate später im zweiten Kabinett von SPD-Kanzler Gerhard Schröder als „Gesicht des Ostens“ Verkehrsminister. Nach der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 trat Stolpe dann von der politischen Bühne ab. Im Hintergrund kümmerte sich der Ruheständler verstärkt um den Erhalt historischer Baukultur.

AFP/dpa/frs

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