Opposition will Muslimen Bestattung in Tüchern ermöglichen - CDU und FDP bremsen

SPD: Sargzwang lockern

Wiesbaden. Die SPD-Fraktion im hessischen Landtag will Ausnahmen von der Sargpflicht im Bestattungsrecht zulassen. Damit sollen auch Muslime nach den Vorschriften ihrer Religion bestattet werden können. Muslime werden danach in Tüchern begraben, im Christentum traditionell ist die Sargbestattung.

Der SPD-Abgeordnete Dieter Franz sagte, in Deutschland lebten über vier Millionen Muslime, rund 400 000 davon in Hessen. Doch die meisten würden nach ihrem Tod in ihre Heimat überführt. Deshalb sei es auch eine Frage der Integration, ihnen hier eine muslimische Bestattung zu ermöglichen.

In etlichen anderen Bundesländern, darunter auch Niedersachsen, ist der Sargzwang bereits aufgehoben. In Baden-Württemberg arbeitet Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) derzeit ebenfalls an einem Gesetzentwurf.

Allerdings ist nicht nur die Sargpflicht eine Regel, die muslimischen Bestattungsvorschriften widerspricht. Auch die Wartezeit von 48 Stunden steht im Widerspruch zur Vorschrift des Islam, Muslime innerhalb von 24 Stunden zu bestatten. Außerdem kennt der Islam ein ewiges Ruherecht, die Belegungsfristen auf deutschen Friedhöfen stehen dem ebenfalls entgegen. Spezielle Gräberfelder für Muslime, in denen die Toten mit Blickrichtung Mekka bestattet werden können, gibt es bereits in etlichen Kommunen.

Während Grüne und Linke das Vorhaben der SPD unterstützten, wollten die Regierungsfraktionen keine Einzelregelung schaffen. Man müsse insgesamt über das Bestattungsrecht reden, so CDU und FDP. Innenminister Boris Rhein (CDU) sagte, es gebe bereits die Möglichkeit, Muslime im offenen Sarg zu bestatten. Auch die Wartezeit könne auf Antrag verkürzt werden.

Reiner Sörries, Direktor des Museums für Sepulkralkultur in Kassel, glaubt, dass die Bestattungskultur langfristig ohnehin liberalisiert werden wird. Die Zahl der Einäscherungen übersteigt in Großstädten bereits die der traditionellen Erdbestattungen; auch anonyme Bestattungen oder Friedwälder werden immer häufiger gewählt.

„Autonomie im Sterben“

Sörries rechnet damit, dass auch der Friedhofszwang eines Tages aufgehoben werden wird. Vor allem die Hospizbewegung habe „die Autonomie im Sterben in die Gesellschaft hineingetragen“. Die Menschen wollten stärker selbst entscheiden, wie sie bestattet werden wollen.“ Für viele muslimische Familien ist die Überführung in die Heimat auch eine Kostenfrage, obwohl es bereits Fonds für sie gibt, die ähnlich arbeiten wie eine Sterbegeldversicherung. (mit dpa)  kommentar

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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