Wissenschaftler testen Technologien, um Strom aus regenerativen Energien direkt an Häusern vorzuhalten

Speicher für Strom aus Wind und Sonne

Pionierarbeit: Ekkehard Boggasch (oben) vor dem Innenleben einer Vanadium-Batterie, die so groß wie ein Container ist (rechts). Foto:  dpa

Wolfenbüttel. Die Vanadium-Batterie ist so groß wie ein Container. Sie wiegt fünf Tonnen und kann den Strombedarf eines Tages für ein Wohnhaus speichern. Sie wird derzeit auf dem Gelände der Fachhochschule Ostfalia in Wolfenbüttel installiert. Es könnte ein Baustein für dezentrale Stromnetze sein - sogenannte smart grids, die auf regenerativen Energien basieren.

Denn je mehr Strom mit Wind oder Sonne produziert wird, desto stärker werden wetterbedingt die Erzeugung und damit auch die Auslastung des großen Verbundnetzes schwanken. Immer wichtiger werden deshalb dezentrale kleine Speicher und Netze vor Ort. Sie könnten Schwankungen im Netz ausgleichen und für dessen Stabilität und Sicherheit sorgen.

„Dezentrale Speichertechniken für Wohnhäuser, Gewerbegebäude oder kleine Siedlungen sind die Herausforderung der nächsten Jahre“, meint Ekkehard Boggasch, der das Labor für Elektrotechnik und regenerative Energietechnik leitet. „Die Entwicklung steckt noch in den Kinderschuhen.“

Boggasch hat mit seinem Team einen kleinen Energiepark im Kilowatt-Leistungsbereich aufgebaut, der derzeit vier regenerative Energieerzeuger - von Wind über Sonne und Brennstoffzelle bis zum Blockheizkraftwerk - sowie drei dezentrale Speichertechniken umfasst.

Alle Anlagen sind miteinander vernetzt. So können praktisch oder auch als Simulation das Zusammenspiel der einzelnen Anlagen und das intelligente Management des Netzes, aber auch dessen Einbindung an das öffentliche Netz erprobt und optimiert werden. Denn jede dieser sieben Technologien hat unterschiedliche Verfügbarkeiten, Anlaufgeschwindigkeiten, Arbeitstempi und Wirkungsgrade.

Die neue Vanadium-Batterie - von einem kanadischen Unternehmen in China gebaut - kann relativ leicht in verschiedenen Leistungsgrößen gebaut werden. Sie hat einen hohen Wirkungsgrad, ist langfristig sehr stabil und kann beliebig oft geladen werden. Dafür ist sie allerdings geräumig und teuer und wohl eher für Siedlungen geeignet. Auf dem Markt sind bereits größere Variationen der klassischen Bleibatterie. Sie sind verhältnismäßig preiswert, halten aber nur eine begrenzte Zeit. Zum Energiepark der Fachhochschule gehört auch ein Wasserstoffspeicher.

Boggasch erwartet, dass in Siedlungen künftig verschiedene Speicher - je nach zeitlichem Strombedarf - eingesetzt werden. Eine staatliche Förderung könnte die Markteinführung solcher Systeme beschleunigen, meint er.

Der Wolfenbüttler Energiepark soll schon bald auch die regenerative Erzeugung und Speicherung von Wärme aus Heizung und Warmwasser einbeziehen. Das Ziel: Ein kostengünstiges autarkes Plus-Energiehaus, das mehr regenerative Energie erzeugt als es verbraucht. (lni)

Von Klaus Sievers

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