Edeka-Hessenring steigert zwar den Umsatz, muss aber spürbare Abstriche beim Gewinn machen

Sprache des harten Wettbewerbs

Edeka Hessenring legt zu: Umsatz und Verkaufsfläche wurden im vergangenen Jahr ausgebaut. Unser Bild entstand im Kasseler Edeka-Markt Aschoff, im Bild Kundin Maureen Eberhardt. Foto: Koch

Melsungen. Lebensmittel wurden 2013 teurer, Edeka-Hessenring aus Melsungen (Schwalm-Eder-Kreis) verdiente aber trotzdem weniger. Laut Marktforschungsinstitut Nielsen konnte der Lebensmitteleinzelhandel bundesweit den Umsatz um 2,2 Prozent steigern. Maßgeblich daran beteiligt waren daran die Preissteigerungen von 4,4 Prozent für Nahrungs- und Genussmittel. Besonders die Preise für Obst, Gemüse und Frischfleisch trieben die Haushaltskosten.

Diese Entwicklung bekam die Edeka Hessenring Gruppe zu spüren: Der Umsatz stieg zwar von 2,18 Milliarden auf 2,25 Milliarden Euro, der Überschuss ging aber von 18,02 auf 13,19 Millionen Euro zurück. So steuerten Edeka-Tochtergesellschaften wie etwa Netto 6,5 Millionen weniger zum Ergebnis bei. Und dies obwohl die Verkaufsfläche von 692 624 auf 703 655 Quadratmeter erweitert wurde und die Zahl der Mitarbeiter von 8400 auf 8300 sank.

Für Vorstandsprecher Hans-Richard Schneeweiß (57), der gemeinsam mit Hans-Jürgen Steffen (58) den Vorstand der Gruppe stellt, ist dies die Sprache des harten Wettbewerbs. Höhere Preise an den Kunden weiterzugeben funktioniere nicht. „15 oder 16 Preisreduzierungen haben die Discounter bereits in diesem Jahr durchgesetzt – und jedes Mal ist Edeka Hessenring mitgegangen“, sagt Schneeweiß.

Preise nicht kostendeckend

Seit Jahren seien die Großhandelspreise für den Einzelhandel nicht mehr kostendeckend, wenn man eine gewisse Qualität für einen bestimmten Preis haben wolle. Schneeweiß sieht den Preiskampf mit den Discountern dennoch gelassen. Mit einer Eigenkapitalquote von 44,46 Prozent oder 323,6 Millionen Euro im Rücken stehe die Hessenring- Gruppe gut da.

Und Qualität sei nun mal wichtig: Etwa elf Tage lagert ein Produkt im Schnitt im Großhandel. Der Ausschuss bei Trocken- und Tiefkühlprodukten liegt bei 0,1 Prozent des Umsatzes, bei Obst und Gemüse können es bis zu zwei Prozent sein und bei Molkereiprodukten sei es etwa ein Prozent.

Der aufkeimende Lebensmittel-Online-Handel bereitet Schneeweiß daher kein Kopfzerbrechen. Noch liege der Umsatzanteil der Online-Lebensmittelhändler deutlich unter einem Prozent des Gesamtumsatzes des Lebensmitteleinzelhandels: Der betrug zuletzt 160 Milliarden Euro. Der Konkurrenzkampf werde im stationären Handel ausgetragen. Man muss den Online-Handel beobachten, meint Schneeweiß. Und: Auch Edeka experimentiert punktuell mit dem Kauf per Klick. „Bislang verdient niemand etwas damit“, stellt Schneeweiß fest.

„Wirtschaftlichkeit vor Größe“

Im laufenden Geschäftsjahr will Edeka-Hessenring weiter wachsen: Insgesamt will die Gruppe 38,5 Millionen Euro investieren, davon sollen 29,2 Millionen Euro in die Schaffung und Erweiterung von Einzelhandelsimmobilien fließen. Bezahlt werden soll der Löwenanteil aus den flüssigen Mitteln der Gruppe. Generell bleibe Edeka seiner Strategie treu: „Wirtschaftlichkeit geht vor Größe.“ Sie sei 2013 bestimmend gewesen und werde es im laufenden Geschäftsjahr sein, so Schneeweiß.

Zwar erwartet er einen höheren Umsatz – die ersten Monate seien recht positiv angelaufen –, aber das Ergebnis werde seinen Planungen zufolge unter dem Vorjahresniveau liegen.

Von Martina Hummel

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