Interview

Spritpreis-Experte des ADAC: „Es ist noch Luft nach unten“

Die Autofahrer freut es: Tanken ist deutlich billiger geworden. Der Preissturz beim Sprit ist auch noch nicht zu Ende, glaubt der Benzinpreis-Experte des ADAC, Jürgen Albrecht.

Die Autofahrer freut es: Tanken ist deutlich billiger geworden. Der Preissturz beim Sprit ist auch noch nicht zu Ende, glaubt der Benzinpreis-Experte des ADAC, Jürgen Albrecht. Trotzdem sollten Autofahrer weiter vergleichen, so Albrecht im Gespräch mit unserer Zeitung.

Herr Albrecht, sinken die Spritpreise weiter? 

Jürgen Albrecht: Gerade die Benzinpreise haben noch Luft nach unten. Vor allem, weil wir im Vergleich zu Diesel in den letzten Monaten ein überhöhtes Niveau hatten, bedingt durch die hohe Nachfrage. Wir beobachten jetzt täglich, dass sich die Differenz weiter reduziert.

Wie entsteht der Preissturz?

Albrecht: Das Preisniveau von Rohöl ist deutlich gesunken, die Opec will die Förderung auch nicht kürzen und stattdessen Marktanteile zulasten der USA verteidigen. Außerdem drängt der Iran wieder auf den Weltmarkt, und der Euro ist in den letzten Tagen stärker geworden. Das alles wirkt sich positiv für die Autofahrer aus.

Wieviel Luft ist denn noch nach unten?

Albrecht: Das kann man nicht genau sagen. Die Kosten für Benzin werden nur zu einem geringen Teil vom Ölpreis beeinflusst. Es gibt schließlich auch die Mineralöl- und die Mehrwertsteuer. Aber noch mal: Das Benzin wird weiter billiger werden. Das sollte aber niemandem davon abhalten, sparsam zu fahren und zu vergleichen.

Ist ein Ende der Entwicklung absehbar?

Jürgen Albrecht arbeitet seit vielen Jahren beim ADAC als Experte für Verkehrswirtschaft. Er ist Autor zahlreicher Studien zu den Benzinpreisen in Deutschland.

Albrecht: Solche Entwicklungen sind nie eine Einbahnstraße. Aber auf mittlere Sicht gibt es keine Anzeichen dafür, dass der Rohölpreis wieder steigen wird. Die Zeiten, in denen eine Eskalation im Nahen Osten dazu geführt hat, sind momentan vorbei.

Warum ändern sich die Preise so oft am Tag?

Albrecht: Die Zahl der Änderungen pro Tag ist in den letzten 20 Jahren immens gestiegen. Bei dem lebhaften Wettbewerb, den wir inzwischen haben, ist das nicht unnormal. Das sind jedoch keine Zufallsverläufe, sondern dahinter stecken die betriebswirtschaftlichen Kalkulationen der Anbieter, die über Computerprogramme umgesetzt werden. So kommt es, dass man am späten Nachmittag bis zum frühen Abend meist die niedrigsten Preise an den Tankstellen bezahlt.

Gibt es regionale Unterschiede?

Albrecht: Die gibt es. Nach unserer letzten Analyse müssen derzeit die Autofahrer im Norden weniger bezahlen als die im Süden. Aber es ist nicht so, dass man sagen könnte, hier ist es immer billig und dort immer teuer. Gleichwohl gilt: In den Städten ist der Preiswettbewerb deutlich intensiver als auf dem Land.

Rubriklistenbild: © dpa

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