Einsatz nach Brandanschlag – Hunde überführten bereits Amokfahrer in Herzberg

Spürnasen helfen Polizei

Bloodhound-Hündin Bärbel erschnuppert im Dienst der nordrhein-westfälischen Polizei die Spur von Menschen. Foto: dpa

GÖTTINGEN/HERZBERG. Nach der Durchsuchung der Polizei in einem studentischen Wohnhaus am Mittwoch in Göttingen haben vor allem Sympathisanten der linken Szene Zweifel an den Fähigkeiten der eingesetzten Spezialhunde der Polizei angemeldet. Tatsächlich hat es allerdings schon Fälle gegeben, in denen der Spürsinn dieser speziell ausgebildeten Hunde ein entscheidendes Beweismittel war, um einen Täter zu überführen.

Ein Fall war die spektakuläre Verwüstung einer Wellpappenfabrik in Herzberg, bei der im Sommer 2001 ein Sachschaden von 25 Millionen Euro entstand. Hier führte ein „Schnüffeltest“ mit Polizeihunden dazu, dass ein früherer Mitarbeiter der Fabrik als Täter verurteilt wurde.

Anschlag im Kreishaus

Die Göttinger Polizei hatte fünf Tage nach dem Brandanschlag in der Göttinger Kreisverwaltung bei ihren Ermittlungen zwei so genannte Mantrailing-Hunde aus Nordrhein-Westfalen eingesetzt. Dort gibt es eine Landespolizeischule für Diensthundeführer, in der solche Spezialhunde ausgebildet werden. Mantrailing-Hunde seien in der Lage, den Individualgeruch eines Menschen aus allen anderen Duftspuren herauszufiltern, sagte Kripochef Volker Warnecke.

Die Hunde bekamen eine Geruchsspur vorgesetzt, die direkt vom Tatort im Göttinger Kreishaus stammte. Beim Verfolgen dieser Geruchsspur schlugen beide Hunde unabhängig voneinander den gleichen Weg ein, der zu einem studentischen Wohnhaus in der Göttinger Innenstadt führte. Bei der späteren Durchsuchung des Gebäudes schlugen sie an vier Stellen in drei verschiedenen Räumen an.

In einschlägigen Mitteilungsforen der linken Szene wird angezweifelt, dass die Hunde noch fünf Tage nach dem Anschlag bei zudem schlechten Wetterbedingungen eine solche Spur hätten verfolgen können.

Doch auch bei dem Fall in Herzberg waren die Spürhunde lange nach der Tat zum Einsatz gekommen. Damals hatte ein Unbekannter nachts einen Wachmann in der Fabrik überfallen, gefesselt und eingesperrt. Dann hatte er stundenlang mit Gabelstaplern die Fabrikhalle demoliert. Die Polizei stand vor dem Problem, dass sich keine verwertbaren Fingerabdrücke und DNA-Spuren finden ließen. Der Täter hatte jedoch eine Geruchsspur hinterlassen, als er den Wachmann an der Latzhose packte.

Diese Spur wurde später mehreren Spezialhunden vorgesetzt. Bei einem Vergleichstest mit Geruchsproben anderer Personen packten drei von vier Hunden das Röhrchen mit der Probe des Angeklagten. Das Geruchs-Gutachten überzeugte die Gerichte: Sowohl das Amtsgericht Herzberg als auch in zweiter Instanz das Landgericht Göttingen verurteilten den Angeklagten wegen der Amokfahrt zu drei Jahren Haft.

Von Heidi Niemann

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