Oradour-sur-Glane

SS-Massaker: Gericht lehnt Verfahren gegen 89-Jährigen ab

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Frankreichs Präsident Francois Hollande und Bundespräsident Joachim Gauck mit einem der letzten Überlebenden des Massakers, Robert Hebras (88), bei einer Gedenkfeier im Juni 2014. 

Köln - Ein 89-jähriger früherer SS-Mann muss sich nicht wegen des Massakers in dem französischen Dorf Oradour-sur-Glane vor Gericht verantworten. Damals starben mehr als 600 Menschen.

1944 massakriert die SS in einem französischen Dorf mehr als 624 Menschen, darunter 500 Frauen und Kinder. Sie starben eingesperrt in einer Kirche, die die SS in Brand setzte. Die Staatsanwaltschaft versucht immer noch, Täter zur Verantwortung zu ziehen. Ein schwieriges Unterfangen.

Der historische Dorfkern von Oradour-sur-Glane wurde nicht wieder aufgebaut. 1944 starben 642 Bewohner, darunter 500 Frauen und Kinder, eingesperrt in einer Kirche, die die SS angezündet hatte.

Das Landgericht Köln lehnte die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen den Rentner ab, weil eine aktive Beteiligung an der Mordaktion nicht mehr nachweisbar sei. Am 10. Juni 1944 hatten Einheiten der Waffen-SS in dem westfranzösischen Ort 624 Bewohner umgebracht. Die Staatsanwaltschaft Dortmund hatte den Mann wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes an 25 Menschen und Beihilfe zum Mord an mehreren hundert Menschen angeklagt.

Er habe zwar nie bestritten, als Mitglied des SS-Panzergrenadier-Regiments 4 „Der Führer“ bei dem Massaker in Oradour gewesen zu sein, teilte das Gericht am Dienstag mit. Stichhaltige Beweise dafür, dass er selbst Menschen getötet oder aktiv bei der Ermordung der 624 Dorfbewohner geholfen habe, sieht das Gericht aber nicht.

Der ermittelnde Dortmunder Oberstaatsanwalt Andreas Brendel will jetzt prüfen, ob er Beschwerde gegen den Beschluss des Kölner Gerichts einlegt. „Nach so langer Zeit ist die Beweislage immer sehr schwierig“, räumte Brendel ein. In diesem Fall komme hinzu, dass keiner der Überlebenden des Massakers etwas zur Person der Beschuldigten habe sagen können.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 89-Jährigen vorgeworfen, am Tattag in einem Weinkeller an der Erschießung von 25 Dorfbewohnern beteiligt gewesen sein. Außerdem soll er „mit Bewachungsaufgaben“ in Sichtweite einer Kirche betreut gewesen sein, während die SS in dem Gotteshaus weitere Opfer ermordete und die Kirche anschließend anzündete.

Im Zusammenhang mit dem Massaker von Oradour-sur-Glane ermittelt die Staatsanwaltschaft aktuell in einem weiteren Verfahren gegen fünf andere Männer. Die ehemaligen SS-Soldaten leben heute in NRW, Niedersachsen, Brandenburg und Österreich. „Hier ist die Beweislage aber noch schwieriger“, sagte Brendel. Teilweise habe sich die Unschuld der Männer schon herausgestellt. „Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass wir in diesem Verfahren eine Anklage erheben.“

Der zerstörte Ortskern von Oradour wurde nicht wieder aufgebaut und ist heute Mahn- und Gedenkstätte. Im vergangenen Jahr besuchte Bundespräsident Joachim Gauck zusammen mit Frankreichs Präsident François Hollande als erstes deutsches Staatsoberhaupt Oradour.

dpa

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