Stadt in der Defensive: Kommentar zur Lage in Chemnitz

Kassel/Chemnitz. Das kann ja lustig werden. Am kommenden Wochenende bin ich zu einer Familienfeier eingeladen: nach Chemnitz. Oder wie man jetzt wohl sagen muss: ausgerechnet nach Chemnitz. Ein Kommentar von HNA-Chefredakteur Jan Schlüter.

Sobald ich von meiner geplanten Fahrt nach Sachsen erzähle, werde ich mit einem breiten Spektrum an Reaktionen konfrontiert. Das geht von „ach zu den Nazis“ bis zu „ist ja spannend“.

Chemnitz ist seit einer Woche keine normale Stadt mehr. Und das finden meine Verwandten dort überhaupt nicht lustig. Die im Westen weitgehend unbekannte Großstadt, die zuletzt wirtschaftlich so prima abgeschnitten hat, findet sich in allen Medien nur noch mit Negativ-Schlagzeilen wieder. Die Stadt zieht plötzlich Rechte und Rechtsextreme wie ein Magnet an, wird zur Bambule-Metropole des Nazi-Pöbels.

Auch wenn es bezogen auf die Gesamtbevölkerung nur ein Häufchen ist, das sich mit Hitler-Gruß austobt und Reporter wie Kameraleute attackiert, müsste der Aufschrei der Demokraten in Chemnitz lauter sein. Besonders alarmierend ist das Verschmelzen von Demonstrationsteilnehmern aus den Lagern von AfD, Pegida und Neonazis. Hier wird überdeutlich, dass sich Kritiker der Europa- und Flüchtlingspolitik zu Gehilfen der Braunen machen lassen.

Die Chemnitzer sind in die Defensive gedrängt worden. Deshalb müssen sie jetzt zeigen, dass die Stadt viel, viel mehr ist als nur ein rechter Hort, nämlich bunt, vielfältig und demokratisch. Ein gutes Instrument kann hierbei auch die laufende Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2025 sein.

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