Tierarzt behandelt verletzten herrenlosen Kater, verklagt die Stadt Bad Sachsa und bekommt Recht

Stadt muss Tierarztkosten übernehmen

Eine Katze in tierärztlicher Behandlung: Im Zweifel muss die Kommune zahlen. Foto: dpa

Bad Sachsa. Kommunen müssen auch dann für die Versorgung von Fundtieren aufkommen, wenn sie diese Aufgabe einem Tierschutzverein übertragen haben. Das hat am Montag das Oberverwaltungsgericht Lüneburg (OVG) entschieden. Die OVG-Richter wiesen damit die Berufung der Stadt Bad Sachsa (Kreis Osterode) gegen ein Urteil des Verwaltungsgerichts Göttingen zurück. Ein Tierarzt aus dem Südharz hatte dort die Kommune verklagt, weil diese sich weigerte, für die Behandlungs- und Unterbringungskosten eines verletzten Katers aufzukommen. Der Senat verpflichtete die Stadt dazu, dem Tierarzt rund 1800 Euro plus Zinsen zu zahlen (Aktenzeichen 11 LB 267/11).

Der Kater war am späten Abend des zweiten Weihnachtstages in Bad Sachsa aufgefunden worden. Offenbar war das Tier bei einem Unfall verletzt worden. Da sich kein Besitzer finden ließ und auch beim Tierschutzverein niemand erreichbar war, brachten die Finder das Tier zum tierärztlichen Notdienst. Der Tierarzt nahm eine Notoperation vor und behielt den Kater zunächst in seiner Praxis.

Danach versuchte er tagelang vergeblich, Verantwortliche des Tierschutzvereins zu erreichen. Dieser hatte sich in einem Vertrag mit der Stadt Bad Sachsa dazu verpflichtet, alle Fundtiere bei sich unterzubringen und dabei auch für die ärztliche Behandlung zu sorgen. Da sich beim Tierschutzverein niemand rührte, forderte der Tierarzt die Stadt auf, die Abholung der Katze zu veranlassen und stellte ihr die bis dahin angefallenen Behandlungs- und Versorgungskosten in Rechnung.

Einschläfern für 100 Euro

Die Stadt lehnte indes eine Übernahme der Kosten ab und begründete dies damit, dass der Tierschutzverein für die Versorgung zuständig sei. Außerdem seien die Kosten unangemessen. Statt den Kater ärztlich zu versorgen, hätte der Tierarzt ihn besser einschläfern sollen. Dies hätte höchstens 100 Euro gekostet.

Dies ließen die Lüneburger Richter nicht gelten. Die Stadt sei als Fundbehörde für die Verwahrung von Fundtieren zuständig. Diese öffentlich-rechtliche Pflicht gelte auch dann, wenn sie diese Aufgabe an einen Tierschutzverein delegiert habe. Die Katze habe in jedem Fall ärztlich behandelt werden müssen. Die Stadt könne sich auch nicht darauf berufen, dass eine Tötung kostengünstiger gewesen wäre. Der Senat ließ keine Revision gegen das Urteil zu.

Von Heidi Niemann

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