Land wird knapp: Landwirte gehen dazu über, Tiere intensiv im Stall zu halten

Ställe lösen die Weiden ab

Diese Idylle wird seltener: Der Anteil des Grünlands an der Fläche Niedersachsens geht zurück, daher stehen Kühe zunehmend im Stall. Foto:  dpa

Hannover. Industrialisierung statt Idylle: Auch im Flächenland Niedersachsen kämpfen Firmen, Stadt- und Straßenplaner sowie Bauern um das knapper werdende Land. Dabei zieht die Umwelt oft den Kürzeren. Seit 2005 seien die Grünlandflächen in Niedersachsen und Bremen um 6,11 Prozent zurückgegangen, sagte Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) gestern auf Anfrage der Grünen im Landtag in Hannover.

Ein Grund sei die intensive Viehhaltung, die Kühe statt auf der Weide in Ställen halte und Grünflächen für den Futteranbau umpflüge, sagte der Minister. Zugleich fresse der Bau von Siedlungen und Straßen Agrarflächen, der Anbau von Mais für Biogasanlagen verschlinge zusätzliche Hektar. EU-Vorschriften blockierten aber das Umpflügen weiterer Grünflächen. Seit einem Jahr bemühe Niedersachsen sich außerdem mit einem Grünlandzentrum in Ovelgönne um den Erhalt der wichtigen Ökoflächen.

Der Grünen-Agrar-Experte Christian Meyer machte die Folgen der Entwicklung anschaulich. Die Bestände von Wiesen- und Brachvögeln wie dem Kiebitz etwa seien seit 1990 in Niedersachsen stark zurückgegangen - bei der Uferschnepfe um 60 Prozent, der Bekassine um 90 Prozent und der Kampfläufer sei ganz verschwunden.

Meyer pochte auf einen grundlegenden Kurswechsel in der Landwirtschaft. Es seien bedenkliche Auswüchse, wenn eine Turbo-Milchkuh auf einer Weide kaum noch überleben könne, sondern mit Mais oder Kraftfutter versorgt werden müsse. Statt einseitig die Industrialisierung der Landwirtschaft zu fördern, müsse die Regierung sich auch für eine extensive Grünlandwirtschaft einsetzen.

„Leider mussten wir in der Vergangenheit beobachten, dass der Anteil des Grünlands zurückgegangen ist“, sagte Minister Lindemann. „Wir können die Entwicklung der Vergangenheit nicht rückgängig machen und müssen die Landwirtschaft leistungsfähig halten im europäischen Wettbewerb.“ Den besten Schutz biete die Gleichsetzung von Grünflächen mit übrigen Flächen bei der Agrarförderung, die sich inzwischen etabliert habe. (lni)

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