Hessen gerüstet, aber bislang noch kein Fall

Vogelgrippe: Stallpflicht für Geflügel rückt näher

Kassel / Hannover. Nach der Infektion einer Wildente in Mecklenburg-Vorpommern mit der Vogelgrippe rückt eine bundesweite Stallpflicht für Geflügel näher.

Eine Krickente, die im Rahmen der Wildvögel-Überwachung auf der Ostseeinsel Ummanz nahe Rügen geschossen wurde, war von dem hochansteckenden Virus H5N8 (siehe Hintergrund) befallen. Damit erhärtet sich der Verdacht, dass mehrere Ausbrüche der Vogelgrippe in europäischen Ställen auf Wildvogelzug zurückgehen, auch wenn das noch nicht eindeutig nachgewiesen ist. Sollten Wildvögel Überträger sein, birgt das erhebliche Risiken für das heimische Geflügel.

Zunächst müssen nur die Tiere in Mecklenburg-Vorpommern sowie in den niedersächsischen Kreisen Emsland und Grafschaft Bentheim in den Stall. Bei einer Krisenkonferenz in Berlin empfahl Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) auch anderen Ländern, per Erlass dafür zu sorgen, dass die Tiere eingesperrt werden. Die Umsetzung liegt bei den Ländern.

Die hessischen Geflügelzüchter sind auf der Hut, wollen aber keine Panik. Auch die Behörden sahen zunächst keinen Grund zum Handeln. „Wir sind aber für den Notfall gewappnet“, betonte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Mischa Brüssel de Laskay. Vogelkundler wurden gebeten, die Behörden zu informieren, wenn die Zahl verendeter Wildvögel in ihren Regionen auffällig hoch sei. In Hessen war bis gestern Abend aber kein Fall bekannt.

Der niedersächsische Geflügelwirtschaftsverband forderte bereits, die Stallpflicht für das gesamte Bundesland anzuordnen. Von der Geflügelindustrie hingen viele Arbeitsplätze ab, erklärte der Geschäftsführer des Verbandes, Dieter Oltmann.

Der Bioerzeugerverband Bioland empfahl mit Blick auf vorbeiziehende Wildvögel, keine Tränken im Freien stehen zu lassen. Das Friedrich-Löffler-Institut für Tiergesundheit rief dazu auf, den Zugang zu Geflügelställen zu begrenzen und Desinfektionswannen einzusetzen. Außerdem solle die Freilandhaltung zumindest eingeschränkt werden. Sollte in einem Betrieb ungewöhnlich viel Geflügel verenden, müsse ein Tierarzt eingeschaltet werden. Das Institut will heute eine genaue Risikobewertung vorlegen. Sie dient als Leitfaden für das weitere Vorgehen.

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt hat von der EU Geld zur besseren Überwachung der Vogelgrippe gefordert. Deutschland werde Ende des Monats in Brüssel finanzielle Hilfe für ein Wildvogelmonitoring beantragen.

Anfang des Monats war die Geflügelpest in einem Mastputenbetrieb in Heinrichswalde in Mecklenburg-Vorpommern ausgebrochen. Dort mussten 31.000 Tiere getötet werden. Ähnliche Fälle gab es auch in den Niederlanden und in Großbritannien.

Wer einen toten Wildvogel findet, sollte diesen nicht mit bloßen Händern anfassen und schnell das Veterinäramt informieren. Nicht jeder tote Vogel muss allerdings an der Seuche verendet sein.

Von Peter Klebe

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.