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Kommentar zum IG Metall-Pilotabschluss: Zurück in die Zukunft

Ist der Pilotabschluss der Metaller in Baden-Württemberg der Auftakt in ein flexibleres Arbeitszeitmodell der Zukunft oder die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche? Der Abschluss hat beide Komponenten. Arbeitnehmer wie Arbeitgeber werden das herauslesen, was dem jeweils eigenen Wunsch entspricht, meint HNA-Redakteurin Martina Hummel.

Das tarifliche Zusatzgeld gleicht die höhere Wochenarbeitszeit bis zu 40 Stunden finanziell nur zum Teil aus. Mehr Beschäftigte dafür einzustellen, dürfte auch angesichts des Fachkräftemangels schwieriger sein, als die Arbeitszeit zu Spitzenzeiten nach oben zu drehen.

Schichtarbeiter, pflegende Angehörige und Eltern von kleinen Kindern zu entlasten – das ist eine kluge, vorausschauende Antwort auf die großen Aufgaben der Gesellschaft. Einen Lohnausgleich gibt es nicht. Denn dieser würde nur zulasten der Arbeitgeber gehen. Der müsste nämlich sonst doppelt zahlen: den Ausgleich für die befristete Teilzeit und den Ersatz-Beschäftigten. Die Fragen nach kleinen Kindern oder zu pflegenden Familienangehörigen würden fester Bestandteil von Einstellungsgesprächen. Das grundsätzliche Ziel eines fairen Interessenausgleichs der Parteien wäre empfindlich gestört und das Ende des Flächentarifvertrages wohl eingeläutet.

Dennoch beschreibt der Ansatz der IG Metall den richtigen Weg: Ein gewisses Maß an Solidarität sollte am Arbeitsplatz gelten. Menschen mit hoher Doppelbelastung sollten nicht allein gelassen werden. Mit dem Abschluss wird Arbeit im Betrieb umverteilt. Ob dies funktionieren kann – wer weiß.

Der Preis auf Seiten der Arbeitgeber – die tarifliche Lohnerhöhung, die Einmalzahlung, das tarifliche Zusatzgeld – klingt hoch. Doch beim genauen Hinsehen hilft der Abschluss den Arbeitgebern. Schon jetzt fehlen ihnen die Fachkräfte, die befristete Teilzeit verschärft das Problem. Jetzt Zugeständnisse zu machen, ist nicht nur sinnvoll und im eigenen Interesse. Es ist unumgänglich.

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