Standpunkt

Tibor Pézsa zur Entwicklung in der Ukraine: Jetzt muss Europa liefern

Tibor Pézsa

Kein Zweifel: Das Abkommen, das Frank-Walter Steinmeier mit den Konfliktparteien in Kiew mit ausgehandelt hat, ist ein diplomatisches Meisterstück. Ein Kommentar zu der Entwicklung in der Ukraine von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Zwar ist noch keineswegs sicher, ob die Ukraine damit aus dem Strudel des drohenden Bürgerkriegs herausfinden wird. Aber am Ende dürfte es Steinmeier und seinen Kollegen gelungen sein, allen Beteiligten die Augen dafür zu öffnen, dass sie auf dem Weg der Gewalt sehr viel mehr zu verlieren als zu gewinnen haben.

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Präsident Janukowitsch hat sich verpokert. Die 4000 Mann starke Sonderheit Berkut und die mörderische Geheimpolizei reichen nicht aus, um ein 48-Millionen-Volk zu kontrollieren. Abgeordnete und Bürgermeister sind Janukowitsch von der Fahne gegangen, Polizei- und Militäreinheiten und ganze Regionen. Am Ende dürfte es dem Präsidenten nur noch darum gegangen sein, sein persönliches Risiko und das seiner Familie in der Katastrophe zu minimieren.

Politisch und wirtschaftlich hat Janukowitsch sein Land an den Rand des Zusammenbruchs geführt. Wenn nichts geschieht, droht der Ukraine in zwei Wochen der Bankrott. Auch das hat Polen und Ungarn, Deutschland, Frankreich sowie die EU auf den Plan gerufen. Und vor allem: Russland.

Niemand hat ein Interesse an einer in Krieg, Flüchtlingselend und Armut versinkenden Ukraine. Die Erfahrungen mit dem Zerfall des Sowjetimperiums in Tadschikistan, Georgien, Aserbeidschan, Kirgisien und Usbekistan sind schreckenerregend genug. Der Unterschied: Die Ukraine liegt im Herzen Europas.

Russlands Machthaber Putin weiß, dass die Ukraine als einst zweitgrößte Sowjetrepublik von Stalin genauso brutal zusammengezwungen wurde wie viele Landesteile in Russland auch. Das, was sich heute in der Ukraine abspielt, ist auch in Teilen Russlands vorstellbar, in Tatarstan, Baschkirien, im Nordkaukasus.

Europa hat nun Verantwortung übernommen - und es muss liefern: Handels- und Einreiseerleichterungen, Kredite, technische Hilfe. Und das ist nur ein Anfang. Moskau hadert mit dem Einflussverlust. Doch es kann auch künftig in der Ukraine jede Entwicklung verhindern, fraglich ist nur zu welchem Preis. Noch herrscht in der Ukraine nur ein unsicherer Waffenstillstand. Aber ein erster Schritt in eine neue Zeit scheint gestern gegangen worden zu sein.

Email an den Autor: tpa@hna.de

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