Standpunkt zur Motivation der Dschihadisten: "Furor der Vernichtung"

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Jörg S. Carl

Krieg, Kampf, Terror: Die Angst vor der islamistischen Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) wächst. Die blutrünstige Grausamkeit der Kalifatskrieger macht sprachlos. Ein Standpunkt von HNA-Politikredakteur Jörg Stepahn Carl.

Mörderbande, Terrormiliz, Dschihadisten – man sucht nach Worten und wird dem Phänomen doch nicht gerecht. Die Vorgänge im Irak erinnern an den Beginn islamischer Eroberungsfeldzüge im Mittelalter. Und sie machen Angst. In der westlichen Welt, in Israel und in vielen Staaten Arabiens.

Denn die sunnitischen Muslime des Kalifats schlagen nicht nur „Ungläubigen“den Kopf ab, sondern auch Glaubensgenossen. Den geistigen Führern der Gewalt geht es auch nicht mehr nur um das Schicksal des Landes, in dem ihre Schwadrone gerade wirken. Islamistisches Söldnertum, vogelfrei und heimatlos, besiedelt gern solche archaischen Gegenden wie den Irak. Hier wird längst nicht mehr gegen „Besatzer“ gekämpft. Nein, die Glaubenskrieger sind getrieben von der Ideologie einer universellen Zerstörung: Wer sich dem Kalifat nicht ergibt, wird Ländergrenzen überschreitend mit dem Tod be-straft.

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Sie sind getrieben von einem universellen Herrschaftsanspruch, der unter dem Begriff Dschihad die Erfüllung des Traums von einer islamistischen Weltmacht vorgaukelt. Daraus speist sich ein unbegreiflicher Fanatismus, ein Furor der Vernichtung. Unschuldige existieren im Weltbild dieser Täter nicht mehr. Es vereinigen sich radikal-religiöser Missionseifer, ethnisch begründeter Hass, kriminelle Energie und pure Mordlust zu unvorstellbaren Massakern. Die Bestialität altertümlicher Schlachten hat die Moderne endgültig erreicht.

Wie können sich die Angegriffenen wehren, die ihre Angreifer zum Teil mit aufbauten und zu lange gewähren ließen? Die westliche, auch die arabische Welt kann dem Terror des Kalifats nicht mit Diplomatie und Dialogbereitschaft begegnen. Pazifistische Grundhaltungen stoßen bei Völkermord an ihre Grenzen. Politische Konzepte wie die Stabilisierung einer irakischen Einheitsregierung und die Stärkung der moderaten Sunniten sind zwar notwendig, aber sie sind gefordert für die Zeit danach – nach dem Krieg gegen den Terror.

Dieser Krieg wird vorerst weitergehen. Schon jetzt ist aufgrund der Entscheidung für Waffenlieferungen klar: auch mit deutscher Beteiligung. Berlin hat erkannt: Das Kalifat ist wahrscheinlich eine ebenso große Herausforderung wie es die Taliban in Afghanistan waren – ob uns das passt oder nicht.

Email an den Autor: jsc@hna.de

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