Auge um Auge, Zahn um Zahn

Standpunkt zur Kriegsgefahr in Nahost: Der Weg aus der Schlucht

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Jörg S. Carl über die Kriegsgefahr in Nahost

Vier Jugendliche sind im Westjordanland entführt und ermordet worden. Alles deutet auf Extremisten als Täter hin. Dazu ein Standpunkt von HNA-Nachrichtenredaktuer Jörg S. Carl

Es ist – ein krimineller Hintergrund ausgeschlossen – das Prinzip Auge um Auge, Zahn um Zahn, das sich im Nahen Osten erneut auf entsetzliche Weise Bahn bricht.

Wenn etwas dem wechselseitigen Töten ein Ende setzen kann, dann die Einsicht, dass die einmal gewählte Strategie von Gewalt und Gegengewalt kein Ziel und keinen Schlusspunkt hat. Das Prinzip der Rache folgt nur einem einzigen Gesetz: Jedes Opfer muss neue Opfer erzeugen. So führt Rache durch eine endlose Schlucht von Blut, Leid und Tränen. Es gibt keinen Notausgang zur Seite, und die Sicht auf Licht am Horizont, auf politische Lösungen, bleibt verstellt.

Rache fragt zwangsläufig aus sich selbst heraus: weitergehen oder umkehren? Weitergehen mündet in die Eskalation. Und so stehen Israelis und Palästinenser wieder einmal vor der Entscheidung: Lassen wir uns von hasserfüllten Extremisten, die es auf beiden Seiten gibt, in einen Krieg treiben?

Es spricht für die israelische Regierung, dass sie trotz aller Erschütterung und Wut über den Tod der Jugendlichen einen Einmarsch mit Bodentruppen in den Gazastreifen vorerst ausschließt. Einen Krieg, der als Kollektivbestrafung ausgelegt werden kann, wird es wohl nicht geben.

Bleibt die Frage nach der Umkehr, um aus der Schlucht herauszufinden. Die Frage mutet angesichts der zurzeit grausamen Umstände naiv an. Dennoch: Ein Ja als Antwort würde bedeuten, dass versucht wird, eine Rückkehr zum Dialog zu finden, um Verbrechen und Verzweiflung auf beiden Seiten zu überwinden. Nur so kann palästinensischen Attentätern wie jüdischen Radikalen die Macht über die Entwicklung im Nahen Osten entzogen werden.

Schreiben Sie eine Email an den Autor: jsc@hna.de

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