Islam und Islamismus

Standpunkt: Über den Gaza-Krieg und Grenzen der Toleranz

Israelis und militante Palästinenser haben die vereinbarte Waffenruhe von drei Tagen nicht eingehalten: Israel erklärte die Feuerpause für gescheitert. Ein Kommentar zum Gaza-Krieg, zum Islam und Islamismus von Werner Kolhoff.

Welch ein - Neudeutsch gesprochen - Shitstorm verbreitete sich in dieser Woche über einen Springer-Journalisten, weil er den Islam als "Integrationshindernis" bezeichnet hatte. Der Mann hätte Islamismus sagen sollen, dann hätte das Meiste gestimmt. Islam, Islamismus, das ist eine wichtige, vielleicht fundamentale Unterscheidung. Das Eine ist religiöser Glaube und absolut zu respektieren. Das Andere ist fanatische Ideologie, die alle mit purer, brutaler Gewalt unter ihre Knute zwingen will. Das Eine ist Moderne, das Andere Mittelalter, so wie es das Christentum auch mal war. Nur sind wir nicht mehr im Mittelalter.

Was viele Nichtmuslime in Deutschland schreckt, ist nicht der Ramadan, nicht das Schweinefleischtabu, nicht das Kopftuch, wenn es freiwillig getragen wird. Sondern das, was Boko Haram in Nigeria mit entführten Mädchen macht und Isis-Milizen mit jedem Christen. Ist der Judenhass der Hamas und der Todeskult der Taliban. Es ist der Wille zur totalen Verfügbarkeit über die Selbstbestimmung der Frauen und die absolute Intoleranz dieser Gruppen. Wo sie siegen, töten sie zuerst alle Andersgläubigen und steinigen demonstrativ ein paar "Ehebrecherinnnen". Dann ist Ruhe.

Ja, es gibt eine Grenze zwischen Islam und Islamismus. Aber wo ist sie, wer definiert sie und vor allem: Wer schützt sie? Von außen wirkt diese Grenze mitunter fließend. Etwa wenn in einer Moschee in Berlin-Neukölln ein Prediger dieser Tage ausruft, man solle alle Juden zählen und sie dann bis zum letzten Kind umbringen. Und niemand der Anwesenden widerspricht, niemand zeigt ihn an.

Wo ist die Grenze, wenn türkische und arabische Kids aus den hiesigen Vorstädten verschwinden und mit Köpfen ihrer "Feinde" auf Videos von den syrischen Schlachtfeldern wieder auftauchen. Oder wenn einzelne "Friedens"-Demonstranten rufen: Jude, Jude, feiges Schwein. Und kaum einer sagt etwas dagegen.

Wer zieht diese Grenze, wenn nicht zuerst der Islam selbst, seine Anhänger, seine Vertreter, seine Imame? Gut, es gibt im Islam nicht die eine Lehre, die eine Instanz, das ist ein Teil des Problems. Aber umso mehr müssten die Aufgeklärteren sich melden. Wir haben einen islamischen Shitstorm gegen die Exzesse der Islamisten hierzulande aber nicht vernommen.

Übrigens: Nicht einmal einen lauten der Nichtmuslime in Deutschland. Man wollte wohl nicht intolerant sein.

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