Starre Fronten bei der Flexi-Rente

+
Positives Beispiel: Der Schulungsleiter auf Honorarbasis, Rudolf Siebke (66), bei Goodyear in Fürstenwalde.

Berlin. Weiterarbeiten nach Rentenbeginn: Die Flexi-Rente sollte Arbeitnehmern einen bessseren Übergang in den Ruhestand bieten. Doch das Vorhaben droht, an den Wünschen der Parteien zu scheitern.

SPD und Union können sich offenbar nicht auf stärkere Anreize für ein Weiterarbeiten nach dem regulären Rententeintritt („Flexi-Rente“) einigen. „Ein großer Wurf wird das nicht mehr. Wenn überhaupt“, hieß es in der Unionsfraktion. Damit droht eine Abmachung zu kippen, die CDU und CSU die Zustimmung zum SPD-Projekt der abschlagsfreien Rente mit 63 versüßen sollte.

Um die Arbeitsgruppe der großen Koalition zur Auslotung flexibler Rentenübergänge ist es still geworden. Selbst Mitglieder des Gremiums können sich kaum noch erinnern, wann sie eigentlich zuletzt getagt hat. Es war zu Jahresbeginn. Ein neuer Sitzungstermin ist nicht vereinbart. Dabei entsprach die Arbeitsgruppe einem Herzenswunsch der Union, um die ungeliebte Forderung der SPD nach der abschlagsfreien Rente mit 63 zu verdauen.

Im Gegenzug sollte das Gremium Vorschläge unterbreiten, um vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels auch ein Arbeiten über den regulären Renteneintritt hinaus attraktiver zu gestalten. „Bisher haben wir keinen Konsens herstellen können. Es gibt offene Punkte, die wir weiter verfolgen, um zu einer Lösung zu kommen“, meint Katja Mast, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD.

Der Stillstand resultiert wohl auch daraus, dass inzwischen Forderungen auf dem Tisch liegen, die mit dem ursprünglichen Thema wenig zu tun haben:

• So drängen die Genossen auf Gesundheits- und Qualifikationsprüfungen für Arbeitnehmer zwischen 45 und 50 Jahren, um etwa eine Erwerbsminderung abzuwenden.

• Außerdem stellen sie die Zwangsverrentung in Frage, die Menschen dazu verpflichtet, zum frühstmöglichen Zeitpunkt auch mit Abschlägen in Rente zu gehen, wenn sie lange arbeitslos sind.

• Dagegen will die Union, dass Rentner ihre gesetzlichen Altersbezüge aufgestockt bekommen, wenn sie weiter arbeiten. Bislang zahlt der Arbeitgeber für sie zwar Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge ein. Sie wirken sich aber nicht rentensteigernd aus, und von Arbeitslosenbeiträgen haben sie nichts.

• Deshalb drängt der Wirtschaftsflügel der Union auf die Abschaffung des Arbeitslosenbeitrages. Und er stellt den Rentenbeitrag des Arbeitgebers in Frage.

Erschwert wird ein Kompromiss dadurch, dass er nichts kosten darf. Das 2014 geschnürte Paket mit den Früh- und Mütterrenten ist teuer genug. Würde man den Rentenbeitrag der Arbeitgeber für arbeitende Senioren abschaffen, kämen eine Milliarde Euro weniger in die Rentenkasse. Am ehesten konsensfähig ist demnach eine Flexibilisierung der Teilrente. Sie wird bislang nur von wenigen tausend Personen genutzt. Der Grund: komplizierte Berechnung sowie starre individuelle Zuverdienstgrenzen.

Wird eine solche Grenze nur knapp überschritten, fällt die Teilrente erheblich niedriger aus.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.