Mit einer Offensive von 20 Modellen will Volkswagen die Führung auf dem riesigen Markt übernehmen

VW startet in China elektrisch durch

Deutliche Steigerungsraten: VW-Entwicklungsvorstand Hans-Jakob Neußer und VW-China-Chef Jochem Heizmann (von links) erläuterten in Shanghai die Elektrostrategie des Konzerns. Foto: dpa

Shanghai. Der Volkswagen-Konzern will in den nächsten vier Jahren rund 20 Modelle mit Elektroantrieben in China auf den Markt bringen. „China wird sich sehr rasant entwickeln“, sagte VW-China-Chef Jochem Heizmann bei der Vorstellung der künftigen Elektro-Strategie auf dem weltgrößten Automarkt gestern vor Journalisten in Shanghai.

Die Umweltbelastung, die politische und finanzielle Förderung sowie die Zulassungsbeschränkungen für normale Autos in zunehmend mehr Städten in China dürften der Elektromobilität den nötigen Schwung geben.

„Das geht jetzt ganz schnell - mit deutlichen Steigerungsraten“, sagte Heizmann. Volkswagen wolle in der E-Mobilität die Führung übernehmen. Der Konzern setze zunächst vor allem auf Plugin-Hybride mit einem Strom- und Benzinmotor, aber auch auf reine Elektroautos. Als erste Modelle werden 2016 der Audi A6 E-Tron und danach eine noch nicht bestimmte, mittelgroße Limousine in China produziert. Der Audi A3 E-Tron, der E-Golf, der Golf GTE und der Kleinwagen Up werden vorerst noch importiert.

Die Palette werde so breit wie möglich angelegt. „Wir können praktisch jedes Modell elektrisch antreiben“, sagte Heizmann unter Hinweis auf die flexible modulare Bauweise in den Fabriken, die die Produktion von Modellen mit verschiedenen Motoren ermöglicht. Hier habe Volkswagen technologische Vorteile.

Nach der deutlichen Abkühlung des weltgrößten Fahrzeugmarktes erwartet Heizmann ein Ende der jährlichen zweistelligen Zuwächse in China. „Ich glaube nicht, dass es dauerhaft zweistellig bleibt, aber deutlich höher als anderswo.“ Es sei eine Normalisierung. Im nächsten Jahr werde der Personenwagenmarkt langsamer wachsen. „Ob es zehn Prozent werden oder etwas weniger - ich weiß es nicht.“ In den ersten neun Monaten dieses Jahres hatte der Zuwachs bei zwölf Prozent gelegen, doch verlangsamt sich das Wachstum mit der schwächeren Konjunktur spürbar.

Großer Bedarf

Der Absatz der Volkswagen-Gruppe selbst wächst in China schneller als der Gesamtmarkt. In den ersten neun Monaten war es ein Plus von 15,2 Prozent auf 2,7 Millionen Autos. Der Konzern verkauft praktisch jedes dritte Auto weltweit in China. Bis 2020 sieht Heizmann auch den Absatz von „einigen hunderttausend Fahrzeuge mit neuen Antrieben“ in China. Der Bedarf sei groß. Bis 2020 müsse der Konzern auch Chinas Fünf-Liter-Anforderung für den Flottenverbrauch erfüllen.

Die Batterietechnologie werde in fünf Jahren aber große Fortschritte machen, glaubt Heizmann. Auch dürften die Preise für die „relativ teuren“ Autos mit neuen Antrieben durch höhere Volumen fallen. Ein großer Anreiz in China seien die Ausnahmen für Elektroautos von Zulassungsbeschränkungen, die es heute schon in sechs Metropolen gibt. (dpa)

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