Bau der Gas-Pipeline durch die Ostsee hat begonnen – Wintershall beteiligt

Startschuss für Nord Stream

Ziehen an einem Strang: Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD, links) und der damalige russische Präsident Wladimir Putin beschlossen 2005 eine Gas-Pipeline auf dem Grund der Ostsee. Foto: dpa

Kassel. Das erste Rohr liegt bereits auf dem Meeresgrund: Nach fünf Jahren Planens und politischen Ringens wird die 1220 Kilometer lange Nord Stream Pipeline Wirklichkeit, die russisches Erdgas durch die Ostsee nach Deutschland transportieren soll. Zum offiziellen Baubeginn morgen wird Kremlchef Dmitri Medwedew erwartet.

Wenn das Gas zur Heizsaison nächsten Jahres bei Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern ankommt, wird der Kasseler Öl- und Gasproduzent Wintershall Holding AG mitverdienen. Ebenso wie der Energieriese Eon ist das BASF-Unternehmen zu einem Fünftel an der Nord Stream AG beteiligt. Neun Prozent hält die niederländische Gasunie, die Mehrheit gehört dem russischen Gaskonzern Gazprom.

Wingas, die gemeinsame Gashandelstochter von Wintershall und Gazprom, wird via Ostsee bis zu neun Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr abnehmen. Das ist ein Zehntel des gesamten deutschen Jahresbedarfs. 27,5 Mrd. Kubikmeter Gas im Jahr kann der erste Leitungsstrang der Nord Stream transportieren. 2012 soll eine zweite Röhre diese Menge verdoppeln.

Darüber, ob er das Gas angesichts der erst langsam wieder anspringenden Wirtschaft los wird, macht sich Wintershall-Chef Rainer Seele keine Sorgen: „Langfristig wird das Gas in Europa hoch begehrt sein“, sagte er vor Kurzem in einem Interview mit dieser Zeitung. Das 7,4 Mrd. Euro teure Großprojekt Nord Stream beschäftigt Wingas auch abseits der Küste: Gemeinsam mit dem Konkurrenten Ruhrgas werden die Anbindungsleitungen Opal und NEL durchs Land gezogen. Gesamtinvestitionen: knapp zwei Milliarden Euro.

Im Poker um Energie ist Nord Stream eine wichtige Karte. Westeuropa sieht die eigenen Vorkommen schwinden, während der Energiehunger weltweit steigt. Knapp ein Drittel des Importgases in Deutschland stammt aus Russland. Die Ostsee-Pipeline wird diese Abhängigkeit weiter verstärken, sagen Nord-Stream-Kritiker.

Konkurrenz Nabucco

Doch beim Öl- und Gasgeschäft blickt Russland längst nicht mehr nur nach Westen. Erst vor Kurzem einigten sich die Russen mit dem Iran über die Erschließung eines gewaltigen Gasfeldes in dem islamischen Land. Das Gas soll nach Indien und Pakistan fließen.

Um auf längere Sicht nicht zu kurz zu kommen, arbeitet sich die Europäische Union am Nabucco-Projekt ab. Die Pipeline, für die Investitionen von acht Mrd. Euro veranschlagt sind, soll ab 2014 über mehr als 3000 Kilometer Entfernung Gas vom Kaspischen Meer nach Mitteleuropa bringen. Prominentester Berater ist Ex-Außenminister Joschka Fischer. Sein ehemaliger Chef, Altbundeskanzler Gerhard Schröder, hat es als Chef des Aktionärsausschusses von Nord Stream in die Spitzenriege der langen Leitungen geschafft.

Die Rivalität von Nabucco will Russland nicht hinnehmen. Regierungschef Wladimir Putin will die Arbeit an der South-Stream-Pipeline vorantreiben, die Gazprom-Gas nach West- und Südeuropa bringen soll, in direkter Konkurrenz zu der EU-Röhre. Fachleute bezweifeln, dass genug Gas zur Verfügung steht, um beide Pipelines zu füllen.

Mit Nord Stream hat Gazprom hingegen Tempo gemacht und damit Tatsachen geschaffen: Die Rohre für das Projekt wurden bestellt, bevor auch nur ein einziges der fünf betroffenen Länder seine Genehmigung erteilt hatte.

Von Barbara Will

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.