In manchen Gegenden ist Diebstahl fast risikolos

Statistik: Fahrradklau nimmt zu

Kassel/Göttingen. Der Fahrradklau nimmt zu: 340.000 Drahtesel wurden 2014 deutschlandweit gestohlen, 7,2 Prozent mehr als im Vorjahr, hat das Verbraucherportal billiger.de nach Auswertung der polizeilichen Kriminalstatistiken ausgerechnet.

Die Aufklärungsquote dümpelt hingegen bei 9,6 Prozent im Bundesdurchschnitt vor sich hin. Diese Zahlen haben auch die Politik alarmiert. Bevor der Drahtesel-Klau vollends zum Massendelikt wird, sollten Polizeiarbeit und Technik verbessert werden, so die Forderung.

Harte Vorwürfe kamen vom Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), Ulrich Syberg. Der Staat bagatellisiere das Phänomen, sagte er auf Anfrage. Die Polizei müsse mehr Fahndungsdruck aufbauen und beispielsweise mit Beamten in Zivil Fahrradabstellplätze überwachen. Städte wie München oder Magdeburg zeigten, dass deutlich höhere Aufklärungsquoten möglich seien, „wenn man das Problem ernst nimmt.“ Zudem forderte Syberg mehr sichere Fahrradparkhäuser und Abstellplätze an Bahnhöfen und öffentlichen Gebäuden. Der ADFC schätzt den jährlichen Schaden auf rund 200 Millionen Euro. Das entspreche dem Wert aller gestohlenen Autos. Nur rund 100 Millionen davon wurden von den Versicherungen beglichen.

Der SPD-Innenpolitiker Burkhard Lischka, sagte, viele Geschädigte verlören wegen der niedrigen Aufklärungsquote den Glauben an den Rechtsstaat und erstatteten nicht einmal mehr eine Anzeige. Den Hauptansatzpunkt sieht er bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität, denn ein Großteil der Delikte gehe auf Banden zurück, die aufwändige Technik einsetzten und mitunter ganze Keller leer räumten. Lischka: „Das geht ruckzuck“. Die Koordinierungsstelle Organisierte Kriminalität beim Bundeskriminalamt müsse personell aufgestockt werden, forderte der Parlamentarier. Sie könne Informationen zusammentragen, Tatmuster und Absatzwege erkennen und müsse dann „gezielte Fahndungsprojekte“ einleiten.

Vom Fahrradklau sind laut den polizeilichen Kriminalstatistiken Städte stärker betroffen als das Land, der Osten und Norden mehr als der Süden und besonders schlecht stehen die Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin da. Auch die Aufklärungsquoten unterscheiden sich stark. In Recklinghausen wird fast jeder zweite Dieb (47,3 Prozent) erwischt, in Mannheim nur jeder dreißigte.

Hintergrund:

Der Bundesdurchschnitt liegt bei 500 geklauten Rädern je 100.000 Einwohner. Die Hochburg der Fahrraddiebe ist die Stadt Cottbus mit mit 2030 Diebstählen je 100.000 Einwohner, gefolgt von Magdeburg (1638 Fälle je 100.000 Bürger) und Münster (1509). Göttingen liegt auf dieser Liste auf Platz acht: Dort wurden im vergangenen Jahr 1143 Fahrräder je 100.000 Einwohner gestohlen. Immerhin liegt die Aufklärungsquote mit 10,8 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Kassel hingegen ist mit 382 Diebstählen je 100.000 Einwohner ein wesentlich sichereres Pflaster für Fahrrad-Eigentümer. Doch auch hier ist die Chance, Diebe zu erwischen, gering: Nur 8,1 Prozent der Fälle wurden 2014 aufgeklärt.

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