Nach harscher Kritik

So erklärt Steinbrück das Stinkefinger-Foto

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SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat seine vom politischen Gegner scharf kritisierte „Stinkefinger“-Geste auf dem Cover des „SZ-Magazins“ verteidigt - und hofft auf den Humor der Menschen im Land.

München - SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat seine vom politischen Gegner scharf kritisierte Stinkefinger-Geste auf dem Cover des "SZ-Magazins" verteidigt - und hofft auf den Humor der Menschen im Land.

„Da werden einem Fragen gestellt, die man übersetzt in Gebärden, in Grimassen, in Emotionen“, sagte Steinbrück am Donnerstagabend am Rande einer SPD-Kundgebung in München über die besondere Interviewform des Magazins. „Das schauspielert man dann. Und ich hoffe, dass die Republik auch den Humor hat, dann diese Grimassen und diese Gebärdensprache bezogen auf die Fragen richtig zu verstehen.“ Im Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ antwortete Steinbrück in einem Interview, in dem nur mit Gestik und Mimik reagiert wird, auf die Frage nach seinen Spitznamen mit einem Strecken des Mittelfingers Richtung Kamera.

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Die berühmtesten Mittelfinger-Skandale

Mittelfinger-Skandale
Das Phänomen des "Stinkefingers" tauchte schon in der ausgehenden Antike auf. Damals sollen die Ärzte dazu übergegangen sein, Salbe mit dem Zeigefinger aufzutragen - der Mittelfinger galt zunehmend als obszön. Er wurde als der digitus impudicus, der schamlose Finger, bezeichnet. Der Grund für dieses obszöne Empfinden war das Ansehen des längsten Fingers als Phallussymbol. Die Griechen sprachen vom Mittelfinger als "dem geilen" Finger. Belegbar ist, dass die erst in der neueren Zeit als "Stinkefinger" bezeichnete Geste sich ab den 1960er Jahren als Beleidigungsgeste ausbreitete. (AFP) © dpa
Mittelfinger-Skandale: Wolfgang Clement
Peer Steinbrück ist nicht der erste Politiker, der mit der Geste schockt - Wolfgang Clement sorgte bereits im Jahr 2000 für Schlagzeilen. Als ihn Jugendliche fragten, wer er sei, antwortete Clement mit erhobenem Mittelfinger. © dpa
Mittelfinger-Skandale: Stefan Effenberg
Legendär: Stefan Effenbergs Mittelfinger während der WM 1994. Nachdem Fans während des Spiels die Auswechslung gefordert und "Effenberg raus!" gerufen hatten, zeigte der damalige Mittelfeld-Spieler der Nationalelf deutlich, was er davon hielt. Die Folge: Effenberg musste seine Koffer packen und die WM verlassen. © dpa
Mittelfinger-Skandale: Ottmar Hitzfeld
Auch Ottmar Hitzfeld, seit 2008 Schweizer Nationaltrainer, ließ seinen Emotionen während eines Qualifikationsspiels gegen Norwegen im Oktober 2012 freien Lauf: Aus Ärger über den spanischen Schiedsrichter hatte Hitzfeld den Mittelfinger in die Luft gereckt. Die FIFA sperrte den Coach für die folgenden zwei Spiele.  © dpa
Mittelfinger-Skandale: Frank Bsirske
Verdi-Chef Frank Bsirske regte sich 2010 bei einer Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes über die Regierung auf. Das Land sei eine Steueroase für Vermögende, schimpfte Bsirske - und betonte seine Worte mit zwei ausgestreckten Mittelfingern. © dpa
Mittelfinger-Skandale: Sebastian Vettel
Sebastian Vettel sorgte im März 2012 für einen Mittelfinger-Skandal: Als ihm Konkurrent Narain Karthikeyan beim Überrunden den Hinterreifen aufschlitzte und Vettel deswegen auf den elften Platz zurückfiel, schimpfte der Formel-1-Rennfahrer über die "fahrende Gurke" aus Indien und zeigte Karthikeyan wütend den Mittelfinger. © dpa
Mittelfinger-Skandale: Robbie Williams
Politiker und Sportler sind selbstverständlich nicht die einzigen, die gelegentlich mit obszönen Gesten für Aufsehen sorgen - Sänger Robbie Williams zeigte 2013 zum Auftakt seiner Take The Crown Stadium Tour 50.000 Fans in Gelsenkirchen den Mittelfinger. © dpa

Peer Steinbrück: Von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen

Peer Steinbrück
Peer Steinbrück ist für derbe Sprüche bekannt. Mit provokanten Äußerungen sorgte er als SPD-Kanzlerkandidat und zuvor als Bundesfinanzminister wiederholt für Unmut, mehrfach auch im Ausland. © dpa
Peer Steinbrück
Februar 2013: Steinbrück verkündet bei einer SPD-Veranstaltung in Potsdam über die Wahl in Italien: „Bis zu einem gewissen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben.“ Wegen der Äußerungen sagte Staatspräsident Giorgio Napolitano ein geplantes Abendessen mit Steinbrück ab.   © dpa
Peer Steinbrück
Dezember 2012: Kaum ist die Kritik an Steinbrücks Nebeneinnahmen leiser geworden, eckt er mit einer Bemerkung zum Kanzlerverdienst an. Der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sagt er: „Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin. © dpa
Peer Steinbrück
(...) Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig - gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt.“ Nicht nur in der Union, sondern auch in der SPD regt sich deutlicher Widerspruch. © dpa
Peer Steinbrück
Mai 2009: Als Bundesfinanzminister befürwortet Steinbrück Listen von Steuerparadiesen, auf denen auch EU-Staaten auftauchen. Mit Blick auf ein geplantes Treffen sagt er: „Selbstverständlich werde ich sie zur Nachfolgekonferenz im Juni in Berlin einladen: Luxemburg, Liechtenstein, Schweiz, Österreich, Ouagadougou.“ © dpa
Peer Steinbrück
Ouagadougou ist die Hauptstadt des afrikanischen Staates Burkina Faso. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) distanzieren sich von Steinbrücks Äußerungen. © dpa
Peer Steinbrück
März 2009: Am Rande eines Treffens der G20-Finanzminister bei London verweist Steinbrück darauf, dass der wachsende Druck auf Steueroasen Wirkung zeige: „Die Kavallerie in Fort Yuma muss nicht immer ausreiten, manchmal reicht es, wenn die Indianer wissen, dass sie da ist.“ Die Schweiz bestellt den deutschen Botschafter ein. © dpa
Peer Steinbrück
Oktober 2008: Nach einem OECD-Ministertreffen zum Thema Steuerflucht sagt der SPD-Politiker in Paris: „Wir müssen nicht nur das Zuckerbrot benutzen, sondern auch die Peitsche.“ Die Schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey nennt die Aussage „inakzeptabel“. © dpa

dpa

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