Steinbrück wehrt sich gegen Vorwurf

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Es geht um dieses Schachturnier mit dem Weltmeister Wladimir Kramkin.

Berlin - Ex-Finanzminister Peer Steinbrück steht kräftig unter Druck. In seiner Amtszeit soll er als Regierungsmitglied um Sponsorengelder für ein Schachturnier geworben haben.

Ex-Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) steht unter Druck, weil er als Regierungsmitglied um millionenschwere Sponsorengelder für ein Schachturnier geworben hat. Steinbrück räumte ein, dass er 2006 nach Geldgebern für den Kampf des damaligen Weltmeisters Wladimir Kramnik gegen den Schachcomputer „Deep Fritz“ gesucht hatte. Er sehe darin aber nichts Ehrenrühriges, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“ (Montagausgabe). CDU und FDP äußerten scharfe Kritik, sprachen von Amtsmissbrauch und verlangten Erläuterungen.

Laut einem „Focus“-Bericht vom Sonntag bat Steinbrück die damaligen Chefs der bundeseigenen Konzerne Post und Telekom, Klaus Zumwinkel und Kai Uwe Ricke, um je bis zu eine Million Euro. Er tat dies in einem Schreiben mit dem Briefkopf des Bundesfinanzministers.

Mehrere Aktienrechtsexperten sagten dem Magazin, Steinbrücks Bitte sei mit seiner Stellung als verantwortlicher Vertreter des Großaktionärs Bund nicht vereinbar gewesen. Laut „Focus“ folgten Zumwinkel und Ricke dem Werben aber ohnehin nicht.

Steinbrück gilt als einer der drei möglichen Kanzlerkandidaten der SPD im Bundestagswahlkampf 2013 - neben Parteichef Sigmar Gabriel und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier.

Steinbrück sagte der „Süddeutschen Zeitung“, es habe sich bei der Schachveranstaltung um ein öffentliches Turnier in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle gehandelt. „Das Ganze war auch ein Aufschlag, um nach etwa 80 Jahren wieder eine Schach-Weltmeisterschaft in Deutschland auszurichten.“ Dazu sei es dann ja auch gekommen. „Dafür suchte ich nach Sponsoren im Interesse der großen Schachgemeinde, woran ich nichts Ehrenrühriges finden kann“, betonte der SPD-Politiker, der passionierter Schachspieler ist.

„SPD hat zu entscheiden“

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe pochte indes auf weitere Erläuterungen. „Die Nutzung des Ministerbriefkopfes für eine Spendenbitte an bundeseigene Unternehmen hat mehr als ein Geschmäckle“, sagte Gröhe der „Rheinischen Post“ (Montagausgabe). Die bisherigen Erklärungen von Steinbrück reichten nicht aus. „Es ist nun an der SPD zu entscheiden, ob sich der Möchtegern-Kanzlerkandidat damit schachmatt gesetzt hat.“

Kritik kam auch von der FDP. „Herr Steinbrück, der ja gern mit dem erhobenen Zeigefinger droht oder auch mal mit Peitsche oder Kavallerie, wenn es gegen Nachbarn geht, wird Mühe haben, das zu erklären oder gar als korrekt zu deklarieren“, sagte FDP-Generalsekretär Patrick Döring der „Welt“. „Ich bin gespannt auf die Reaktionen der Sozialdemokraten. Ein solcher Kanzlerkandidat würde schwer beladen in den Wahlkampf humpeln.“

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