Der Richter gilt als knallhart

Fragen und Antworten: Prozessbeginn gegen Uli Hoeneß

Heute beginnt die Hauptverhandlung gegen Uli Hoeneß. Der Präsident des FC Bayern München soll im großen Stil Steuern hinterzogen haben. Angesetzt sind vier Verhandlungstage. Der Ausgang gilt als ungewiss, der Richter knallhart. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wie ist es zur Anklage gekommen? 

Uli Hoeneß hat sich im Januar des vergangenen Jahres selbst beim Finanzamt Rosenheim (Oberbayern) wegen eines geheimen Kontos in der Schweiz angezeigt. Im selben Monat leitete die Staatsanwaltschaft München ein Ermittlungsverfahren ein, weil die Selbstanzeige nicht vollständig gewesen sein soll. Ein Haftbefehl wurde angeblich gegen Zahlung einer hohen Kaution außer Vollzug gesetzt. Am 30. Juli wurde dann Anklage gegen den damals 61-Jährigen erhoben.

Wie viele Steuern soll Hoeneß hinterzogen haben? 

Lesen Sie auch:

Kommentar zur Verhandlung gegen Uli Hoeneß: Zwischen Gut und Böse

Reelle Zahlen werden erst im Prozess auf den Tisch kommen. Laut einem Bericht des Sterns soll Hoeneß aber ein „Vermögen in dreistelliger Millionenhöhe auf einem Schweizer Nummernkonto“ versteckt gehalten haben. Das Geld soll ihm der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus geliehen haben, mit dem Hoeneß dann spekuliert und die Gewinne nicht versteuert haben soll. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft um 3,5 Millionen Euro Steuern geht, die Hoeneß zwischen 2003 und 2009 hinterzogen haben soll.

Welche Strafe droht Hoeneß? 

Im schlimmsten Fall für den FC-Bayern-Präsidenten könnte ihn Richter Rupert Heindl (siehe unten) ins Gefängnis schicken. 2008 hat der Bundesgerichtshof eine Grenze festgelegt, ab der Steuerhinterzieher in der Regel ins Gefängnis müssen. Die liegt bei einer Million Euro.

Der Fall Hoeneß gilt jedoch als kompliziert, der Ausgang als offen. Der Bundesvorsitzende der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, Thomas Eigenthaler, erwartet auf jeden Fall eine Freiheitsstrafe. Ob Hoeneß die dann wirklich verbüßen muss oder ob er mit einer Bewährung davonkommt, ist laut Eigenthaler jedoch das, worum es in dem Prozess gehen wird.

Hoeneß hat eine Selbstanzeige gestellt. Wirkt sich die strafmildernd auf das Urteil aus? 

Das ist eine entscheidende Frage. Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins Focus hält die Staatsanwaltschaft München die Selbstanzeige des FC-Bayern-Präsidenten für grundsätzlich unwirksam. Demnach weist die Selbstanzeige nach Ansicht der Ermittler große Lücken auf, weil detaillierte Gewinn- und Verlustrechnungen fehlen. Das würde bedeuten, dass die Selbstanzeige inhaltlich fehlerhaft ist. Damit würde sie nicht strafmildernd wirken.

Welche Bedeutung hat der Prozess? 

Für den Bundesvorsitzenden der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, Thomas Eigenthaler, wird der Fall ein Stück Rechtsgeschichte schreiben: Bei Hoeneß liegt der Fall einer verunglückten Selbstanzeige in einem prominenten Steuerfall vor. Verunglückt deshalb, weil Hoeneß unter Umständen nicht alles beim Finanzamt deklariert hat und die Voraussetzung für eine Selbstanzeige damit nicht erfüllt wäre. Hoeneß hätte sich also selbst vor Gericht gebracht.

Welchen Rückhalt genießt Hoeneß in der Öffentlichkeit? 

Vor dem Bekanntwerden der Selbstanzeige galt Hoeneß vielen als Vorbild, seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe erlitt er einen Imageverlust. So zeigte sich Kanzlerin Angela Merkel „enttäuscht“. Mit-Aufsichtsräte des FC Bayern München wie Martin Winterkorn (VW) und Herbert Hainer (Adidas) stehen hingegen weiter zu ihm.

Was sagt Hoeneß selbst zum Prozess? 

Er hat öffentliche Äußerungen vermieden, auch seine drei Anwälte halten sich bedeckt. Hoeneß hatte aber angekündigt, „gut vorbereitet“ in den Gerichtssaal zu gehen. Die Begleitumstände des Prozesses hatte der gebürtige Ulmer mehrfach beklagt: So sei er der einzige unter den Selbstanzeigern, der in „epischer Breite“ in der Öffentlichkeit dargestellt wird. Nach Bekanntwerden des Falls hat er zugegeben, „einen schweren Fehler gemacht“ zu haben. (mit dpa)

Von Constanze Wüstefeld

Warum der Richter, der im Fall Hoeneß entscheiden wird, als knallhart gilt, lesen Sie in der gedruckten Montagsausgabe der HNA.

 

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.