Autoverkehr ist der Hauptverursacher

Weiterhin dicke Luft in Hessen: Grenzwerte für Stickstoffdioxid an sechs von elf Messstationen überschritten

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Schlechte Luft: Der Autoverkehr ist weiterhin der Hauptverursacher.

Bei mehr als der Hälfte der hessischen Luftmessstationen wurden 2017 die Grenzwerte für Stickstoffdioxide überschritten. Darunter leiden Mensch und Natur. In Kassel sieht die Lage etwas anders aus.  

Die Belastung der Luft in Hessen mit Stickstoffdioxid (NO2) hat im vergangenen Jahr zwar leicht nachgelassen, bleibt aber weiterhin hoch. Während der zulässige NO2-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft 2016 an neun der elf Messstationen überschritten wurde, war das 2017 laut Landesumweltamt noch an sechs Stationen der Fall. Spitzenreiter war wie schon in den Vorjahren die Messstation Darmstadt-Hügelstraße mit 52,3 Mikrogramm (2015: 60,5, 2016: 55,5). In Kassel hingegen wurde der Grenzwert, anders als in den Jahren zuvor, mit 38,9 Mikrogramm NO2 an der Fünffensterstraße knapp unterschritten (2015: 42,1, 2016: 43).

Wo wurden die Grenzwerte noch überschritten?

Eine hohe NO2-Belastung wurde auch in Wiesbaden an den Stationen Schiersteiner Straße und Ringkirche festgestellt. Auch in Frankfurt (Friedberger Landstraße), Limburg (Schiede) und Gießen (Westanlage) wurde der Jahresmittelgrenzwert überschritten. Neben Kassel blieben die Stationen in Fulda (Petersberger Straße) und Marburg (Universitätsstraße) anders als in den Vorjahren unter dem Grenzwert.

Wie kommen Stickstoffdioxide in die Luft?

Stickstoffdioxide sind gasförmige Verbindungen aus Stickstoff (N) und Sauerstoff (O). Sie entstehen bei Verbrennungsprozessen, vor allem in Motoren. Besonders viel NO2 stoßen Dieselmotoren aus, weil der Kraftstoff dort bei höheren Temperaturen verbrennt als in einem Benziner. Laut Umweltbundesamt entstehen 34 Prozent der NO2-Emissionen im Straßenverkehr (Stand 2015). Weitere Verursacher sind unter anderem die Energiewirtschaft (25 Prozent), die Industrie (15 Prozent) sowie die Landwirtschaft (elf Prozent).

Welche Folgen hat die NO2-Belastung?

Stickstoffdioxid ist ein ätzendes Reizgas. Es greift die menschlichen Schleimhäute an und reizt die Atemwege und die Augen. Eine Untersuchung von 1,2 Millionen Bürgern Roms über zehn Jahre hinweg hat gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Lungenkrebs zu sterben, steigt, wenn die Menschen in Gebieten mit hoher Stickstoffdioxidbelastung lebten. Auch kurzfristige Effekte wurden beobachtet: Eine Studie aus Paris hat gezeigt, dass die Sterblichkeit um ein Prozent steigt, wenn die NO2-Werte für fünf Tage um zehn Mikrogramm pro Kubikmeter zunehmen.

Da NO2 auch in geringeren Konzentrationen die Bronchien und Blutgefäße verengt, bereitet es besonders Menschen mit vorgeschädigten Atemwegen wie beispielsweise Asthmatikern Probleme. Auch die Natur leidet unter der NO2-Belastung: Die Blätter der Pflanzen werden gelb und der Boden wird überdüngt und übersäuert.

Hintergrund

Zur Minderung der Belastung durch Stickstoffdioxid fordern unter anderem der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Deutsche Umwelthilfe (DUH), der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sowie der Verkehrsclub Deutschland (VCD) die Einführung der Blauen Plakette. Sie soll Fahrzeuge mit besonders niedrigem NO2-Ausstoß kennzeichnen. Sie dürften noch in die Innenstädte, ältere, die mehr Schmutz ausstoßen, nicht. Auch Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) wirbt immer wieder für die Einführung der Plakette. Sie sei „das effektivste Instrument, um die Grenzwerte der EU einhalten zu können“, so die Ministerin. Diskutiert wird auch ein generelles Fahrverbot für Dieselfahrzeuge. Das will die Landesregierung jedoch vermeiden.

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