Analyse von Stiftung Warentest

Strompreis-Portale halten nicht, was sie versprechen

Stromzähler und Geldscheine: Die Strompreise sind Anfang 2013 wieder kräftig gestiegen - unter anderem wegen eines Sprungs der EEG-Umlage für erneuerbare Energien nach oben. Stromsparen und den Anbieter wechseln - das empfehlen Verbraucherschützer als Gegenwehr. Foto: dpa

Kassel. Eigentlich sollen Vergleichsportale für Stromtarife Verbrauchern helfen, bequem am Computer einen günstigeren Anbieter zu finden. Tatsächlich sind die Portale dafür zu kompliziert und unübersichtlich, wie die Stiftung Warentest herausfand.

Richtig gut oder gar sehr gut fanden die Warentesterkein einziges Portal. Sieger des Vergleichs mit einem guten Befriedigend wurde Verivox.de (2,6), gefolgt von Hauspilot.de (2,8) und Energieverbraucherportal.de (2,9). Für die meisten restlichen Kandidaten gab es nur ein Ausreichend, für Stromtarife.de nur ein Mangelhaft. Wenig schmeichelhaftes Urteil hier: „Suchergebnisse mangelhaft, sehr viele veraltete Tarife.“

Internetportale könnten den Durchblick bei 1100 Stromanbietern bundesweit und noch mehr Tarifen erleichtern. Korrekte Preise und aktuelle Tarife, so die Warentester, liefern die meisten. Das Hauptproblem seien die auf den Internetseiten voreingestellten Suchoptionen: „Die Portale wählen die Filter oft so, dass auf vorderen Pläzen der Ergebnislisten überwiegend verbraucherunfreundliche Angebote landen.“ Die wirken auf den ersten Blick billig, kommen aber mit unfairen Klauseln wie Vorkasse, Pakettarifen und langen Anschlusslaufzeiten daher.

Beliebt auch der Trick mit einem fetten Neukundenbonus von bis zu 25 Prozent: Den ziehen laut Stiftung Warentest die meisten Portale über ihre voreingestellte Suche vom Gesamtpreis gleich ab. Macht sich gut - ob und wann ein Neukunde den Neukundenbonus aber wirklich bekommt, sei längst nicht sicher. „Mitunter wird der Bonus nur an Kunden gezahlt, die ein zweites Jahr bleiben. Viele laufen dem Geld hinterher.“ Oder Billiganbieter holten sich im zweiten Jahr mit drastischen Preiserhöhungen den Bonus einfach zurück, falls die Kündigungsfrist verpasst wird.

Unabhängig sind Portale nicht: „Die meisten finanzieren sich überwiegende mit Werbung und Provisionen.“ Einige Stromanbieter zahlten Portalen 30 bis 55 Euro pro vermitteltem Vertrag. Stiftung Warentest: „Das erklärt vielleicht eine Besonderheit bei Verivox und Check24.“ Ganz oben über der Besten-Trefferliste erscheine dort ein „Tarif-Tipp“. Was den konkret auszeichne, bleibe auf den ersten Blick vage. „Das ist Werbung, wie bei der Google-Suche“, hieß es am Donnerstag bei Verivox.

Was ein guter Stromtarif bieten muss

Das gehört laut Stiftung Warentest beim Stromanbieterwechsel zu einem fairen Tarif. Bei voreingestellten Suchmasken müssen die Häkchen entsprechend gesetzt oder gelöscht werden.

Laufzeit: möglichst nicht mehr als zwölf Monate.

Zahlweise: am besten monatlich - bei langfristiger Vorkasse droht Verlust, wenn ein Anbieter pleitegeht.

Pakettarife: beziehen sich auf eine feste Strommenge, sind aber unfair. „Verbraucht der Kunde mehr, muss er Strom teuer zukaufen. Verbraucht er weniger, bekommt er kein Geld zurück.“

Neukundenbonus: bei der Suche besser wegklicken. „Entscheidend für die Tarifwahl sollte ein günstiger Strompreis sein, nicht ein hoher Bonus.“

Tarife mit Kaution: unüblich, bei der Suche wegklicken.

Preisgarantien: sinnvoll, wenn sie mindestens für die Erstlaufzeit gelten, am besten auch darüber hinaus.

Vergleichstarif: Als Vergleichstarif ist oft der Basistarif Ihres Grundversorgers eingestellt. Wer noch nie gewechselt hat, muss nichts ändern. Alle anderen sollten ihren aktuellen Tarif einstellen, um das Sparpotenzial zu berechnen.

• Komplette Untersuchung der Vergleichsportale in der März-Ausgabe der Zeitschrift Test.

Von Wolfgang Riek

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