Warum nur drei von 20 Instituten gut abschnitten

Stiftung Warentest: Viele Bausparer zahlen drauf

Berlin. Millionen Deutsche sichern sich mit Bausparverträgen heute die niedrigen Zinsen der Zukunft. Doch wegen Beratungsfehlern zahlen viele Sparer drauf.

In einer Untersuchung der Stiftung Warentest kamen nur drei von 20 Bausparkassen gut weg. Die Hauptkritikpunkte der Tester: Bausparsummen, Guthaben und Darlehensraten waren oft zu hoch, die Transparenz ließ zu wünschen übrig.

Wie funktioniert Bausparen eigentlich? 

Im Grunde ganz einfach: Erst zahlt der Sparer in den Vertrag ein. Hat er üblicherweise 40 bis 50 Prozent der vereinbarten Bausparsumme erreicht, bekommt er sein Guthaben und den Rest als Kredit. Das Darlehen zahlt er dann monatlich ab.

Worauf kommt es bei einem Bausparvertrag an? 

„Ein Bausparvertrag lohnt sich oft, doch er muss gut auf die Ziele des Sparers abgestimmt sein“, sagt Finanztest-Chefredakteur Heinz Landwehr bei der Vorlage der Ergebnisse. Der falsche Vertrag kann einige tausend Euro mehr kosten, wenn dem Kunden nicht sogar die Finanzierung um die Ohren fliegt. Viele Bausparkassen setzten die Bausparsumme zu hoch an. Dadurch sei die Ansparphase sehr lang. Andere ließen die Kunden zu viel Guthaben ansammeln – sie konnten also den günstigen Kredit nicht nutzen. Zudem sollten manche Testkunden ihr Darlehen später in absurd hohen Raten zurückzahlen.

Wie sieht es mit der Transparenz aus? 

Schmierzettel, keine Spar- und Tilgungspläne, Schweigen über Gebühren: Einige Anbieter machten es den Kunden unmöglich, Angebote zu vergleichen. Zwar gestand Landwehr den Bausparkassen zu, sie berieten heute besser als früher, doch es gebe noch viel Verbesserungsbedarf.

Wie hat Stiftung Warentest geprüft? 

Ihre Tester haben in allen 20 Bausparkassen je sieben Gespräche geführt. Ihre Vorgabe: Sie wollten in zehn Jahren bauen und konnten bei 2200 Euro Nettoeinkommen 400 Euro pro Monat sparen. Außerdem lagen 15 000 Euro auf einem Tagesgeldkonto.

Welche Bausparkassen schnitten besonders gut ab, welche besonders schlecht? 

Die Note „gut“ heimsten nur die Landesbausparkasse (LBS) Baden-Württemberg, LBS Ost und Wüstenrot ein. Die meisten anderen Bausparkassen kamen über „befriedigend“ oder „ausreichend“ nicht hinaus. Die Aachener und die Deutsche Bank Bauspar, die LBS Rheinland-Pfalz und die LBS West kassierten sogar die Note „mangelhaft“.

Wie reagieren die Bausparkassen auf die Kritik? 

In einzelnen Beratungen seien offenbar Fehler gemacht worden, räumt der Verband der privaten Bausparkassen ein. Das gelte es jetzt zu analysieren. Mit dem Gesamtbild könne man nicht zufrieden sein, betonen auch die Landesbausparkassen.

Wie ist die Lage der Bausparkassen? 

Die niedrigen Zinsen machen ihnen zu schaffen. Immer häufiger drängen sie deshalb Kunden aus gut verzinsten Altverträgen, vor allem, wenn dieser schon lange zuteilungsreif ist. Verbraucherschützer sprechen hier von einer Grauzone.

Bausparverträge

Auf diese Punkte sollten Bausparer laut Stiftung Warentest in der Beratung achten:

• Zu einem konkreten Angebot gehören ein Sparplan, und, wenn die Kosten für die Immobilie schon absehbar sind, auch ein Tilgungsplan.

• Aus dem Angebot sollte hervorgehen, welche Bausparsumme empfohlen wird, wann der Vertrag voraussichtlich zugeteilt wird, wie hoch dann das Guthaben ist und welches Darlehen möglich ist.

• Der Berater sollte mögliche Zulagen und Steuervorteile einer Riester-Förderung ausschöpfen. (wll/dpa/afp)

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