Die wichtigsten Fragen und Antworten

Stiftung Warentest: Zu wenig Klarheit bei Überziehungskrediten

Berlin. Seit Jahren stehen die hohen Dispozinsen in Deutschland in der Kritik. In ihrer jüngsten Untersuchung kritisiert die Stiftung Warentest vor allem mangelnde Klarheit der Angaben.

Die Höhe der Zinsen lasse sich oft nicht problemlos feststellen. Fragen und Antworten:

Wer braucht eigentlich einen Dispokredit? 

Gedacht ist er für die kurzfristige Überziehung des Girokontos. So kann ein Bankkunde zum Beispiel eine Rechnung bezahlen, auch wenn vorübergehend kein Guthaben vorhanden ist. Üblicherweise räumen Banken und Sparkassen das Zwei- bis Dreifache eines Monatseinkommens als Dispokredit ein. Wer länger Geld braucht, benötigt einen Raten- oder Abrufkredit.

Wie bewerten die Tester das Niveau der Dispozinsen? 

Den durchschnittlichen Dispozins von 10,25 Prozent - das sind 0,4 Punkte weniger als vor einem Jahr - hält die Stiftung Warentest noch immer für zu hoch. Denn die Geldhäuser könnten sich bei der Europäischen Zentralbank Geld derzeit fast umsonst leihen. Zudem sei das Ausfallrisiko gering. Manche Banken verlangten bis zu 16 Prozent Zinsen. Die Deutsche Kreditwirtschaft nennt hingegen einen durchschnittlichen Zinssatz für Dispokredite von 8,83 Prozent, das sei der tiefste Wert seit zehn Jahren.

Was missfällt der Stiftung Warentest besonders? 

Mangelnde Klarheit lautet der Vorwurf an eine Reihe von Banken und Sparkassen. Bei 56 Kreditinstituten sei es schwer gewesen, die genaue Höhe der Dispozinsen herauszufinden. Ein Teil gab einen Referenzzinssatz mit einem Aufschlag von x Prozent an. Andere Banken verlangten unterschiedliche Zinssätze je nach Kontomodell. Wieder andere machten die Höhe des Dispozinses von der Bonität des Kunden abhängig.

Wie bedeutsam ist der Dispozins? 

Die Höhe des Dispozinses sollte nicht das einzige Kriterium für die Auswahl eines Girokontos sein. „Bankkunden müssen auch andere Kosten und Entgelte beachten“, sagt der Finanzexperte des Verbands der Verbraucherzentralen, Frank-Christian Pauli. „Ein niedriger Dispozins geht häufig mit hohen Kontoführungsgebühren einher.“ Das erschwere einen Vergleich. Die Kreditwirtschaft hebt hervor, eine große Zahl der deutschen Bankkunden nehme den Dispokredit nicht in Anspruch.

Was plant die Bundesregierung? 

Kreditinstitute sollen gesetzlich verpflichtet werden, die aktuellen Zinssätze gut sichtbar auf ihre Internetseite zu stellen. Zudem müssen Banken und Sparkassen jenen Kontoinhabern künftig ein Beratungsgespräch anbieten, die ihren Dispokredit ein halbes Jahr lang zu durchschnittlich mehr als 75 Prozent ausgeschöpft haben. Einen entsprechenden Entwurf hat das Bundeskabinett am 15. Juli beschlossen. Die Ergebnisse der Warentester zeigten, dass die Regelungen für mehr Transparenz dringend geboten seien, stellte das Justizministerium fest. Ein Gesetzentwurf zur Vergleichbarkeit werde vorbereitet. (dpa)

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