Straftäter protestieren in Psychiatrie mit Hungerstreik

Riedstadt/Wiesbaden. Mit einem Hungerstreik protestieren zehn psychisch kranke Straftäter in der forensischen Klinik im südhessischen Riedstadt gegen angebliche Missstände.

Sie kritisieren, dass es in der Einrichtung im Kreis Groß-Gerau an Freizeit- und Betreuungsangeboten fehlt. Eine Sprecherin des Klinikbetreibers bestätigte am Dienstag, dass zehn Patienten keine Kliniknahrung essen. „Wir gehen davon aus, dass sie noch Essen auf den Zimmern hatten“, sagte die Sprecherin. Sie wies die Vorwürfe der Patienten zurück und sprach von Anlaufschwierigkeiten in der Einrichtung, die im April ihren Betrieb aufgenommen hatte.

Nach Darstellung der Sprecherin geht es den Patienten körperlich gut, derzeit sei keine besondere gesundheitliche Überwachung nötig. Sechs Patienten würden auch weiterhin Ergotherapie in Anspruch nehmen. Einer der Patienten sagte dem Hessischen Rundfunk: „Es werden keinerlei therapeutische Angebote gemacht“. Außerdem sei die Sportanlage in dem Neubau nicht nutzbar, der Fernsehempfang sei gestört und die Post werde von Klinikmitarbeitern geöffnet.

Der vergangene Woche begonnene Hungerstreik werde fortgesetzt. Die Sprecherin widersprach der Darstellung, es gebe keine therapeutischen Angebote. „Das Angebot ist ja da“, sagte sie. Aber die Patienten verweigerten die Therapie. Auch die anderen Kritikpunkte entsprächen nicht den Tatsachen oder würden derzeit behoben. „Die haben sich in der Vergangenheit über alles Mögliche beschwert“, sagte die Sprecherin. Aufgrund ihrer Persönlichkeitsstörungen hätten die Patienten auch in anderen Einrichtungen protestiert.

Das Sozialministerium verfolgt die Ereignisse in der Klinik, sieht aber derzeit keinen Handlungsbedarf. „Wir haben keine Anhaltspunkte, dass der Träger seinen Verpflichtungen nicht nachkommt“, sagte eine Sprecherin am Dienstag in Wiesbaden. 38 Patienten sind derzeit in der Klinik. Diese hat insgesamt 92 Betten und Funktionsräume für 162 Patienten. Ein Anbau mit weiteren 52 Betten sei möglich, aber derzeit laut Angaben des Betreibers mangels Nachfrage nicht geplant. (dpa)

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