Bergung an der Unterelbe läuft an

Strahlenmüll im AKW Brunsbüttel: Rostfässer sollen raus

Verrostetes Stahlblechfass aus den Kavernen des Atomkraftwerks Brunsbüttel: Beim Absaugen des Inhalts sind Teile der Fasswand gleich mit weggesaugt worden.

Brunsbüttel. Montag soll’s losgehen: 632 Fässer aus jahrzehntelang verschlossenen Kavernenkellern des Atomkraftwerks Brunsbüttel an der Elbe müssen geborgen werden.

Ihr Inhalt: schwach- und mittelradioaktive Filterharze und Verdampferkonzentrate, Putzlappen und Bauschutt aus dem Betrieb des Pannen-Reaktors. Der liefert schon seit 2007 keinen Strom mehr. Betreiber Vattenfall hat den Abriss längst beantragt. Das Problem des Kellerinventars: Jede vierte der knallgelben Blechtonnen ist durchgerostet. Teils sind die Korrosionsschäden so massiv, dass beim Anheben per Kran Bruch droht.

„Diese Sauerei in den Kavernen hätte nie passieren dürfen“, sagte Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne) bei einer letzten Inspektion vergangene Woche. Was Habeck Sauerei nennt, war Anfang 2012 aufgeflogen, als der TÜV AKW-Akten prüfte. Dicht gestapelt in nicht begehbaren Lagern unter tonnenschweren Betondeckeln waren die 632 Fässer offenbar jahrzehntelang nicht systematisch kontrolliert worden.

Ab und an wurde doch eines gehoben: Beim Umfüllen in einer abgeschirmten Absauganlage flogen so 2011 nicht nur der Inhalt, sondern ein halbes Fass gleich mit weg - so dünn war die rostzerfressene Wand.

Abriss beantragt: Blick auf das Kernkraftwerk Brunsbüttel an der Unterelbe. Foto: dpa

Mehrere Jahre haben Vattenfall-Ingenieure über Krantechniken gebrütet, mit denen die ramponierten Strahlenfässer ohne Bruch geborgen werden können. „Irgendwie musste es gehen und keiner hatte eine Idee“, sagt Habeck im Rückblick. Jetzt also ein Versuch, sechs Wochen lang wurde die Bergung trainiert: Ein ferngesteuerter Greifer hebt Fass für Fass in ein Überfass. Dieses kommt in einen Spezialcontainer, der zunächst in ein kraftwerksnahes Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle und später ins Endlager Schacht Konrad bei Salzgitter wandern soll.

Vor 2022 wird das aber nichts – wobei eigentlich Schacht Konrad schon in den 1990er-Jahren in Betrieb gehen. Mit diesem Termin rechneten offenbar auch die Brunsbüttel-Betreiber. Das jedenfalls hat Schleswig-Holsteins Energieministerium im Nachhinein zur Vorgeschichte der Bröselfässer rekonstruiert. Deshalb sei der Strahlenmüll vor dem Verpacken nicht ausreichend getrocknet worden und habe damit die Fässer von innen zerfressen können.

Bei der Umpack-Aktion würden strenge Strahlenschutzvorschriften eingehalten, versichert die Atomaufsicht. Auch für Umwelt und Bevölkerung bestehe keine Gefahr. Um den Portalkran mit dem Spezialgreifer über den Kavernen wurde ein mit schwarzen Folien verkleideter Schutzraum errichtet. Dort herrscht Unterdruck, so dass laut Vattenfall keine Radioaktivität austreten kann.

Alles soll schnellstens raus - das dauert für die 632 Fässer allerdings bis zu drei Jahre. (mit dpa)

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