Vom Leben mit dem CSU-Politiker

Strauß-Kinder im Interview: „Unser Vater ist heute Kult“

Familientreffen in München: Franz-Georg Strauß, Monika Hohlmeier und Max Strauß schauen sich Fotos ihres Vaters an. Foto: Marcus Schlaf/nh

Ein Familientreffen der besonderen Art: Unsere Kollegen vom Münchner Merkur holten Franz-Georg Strauß, Monika Hohlmeier und Max Strauß, die Kinder des großen FJS, an einen Tisch und sprachen mit ihnen über Jugend, Personenschützer und Wahlkämpfe.

Wie oft sehen Sie sich eigentlich noch?

Monika: Erst kürzlich zum 90. Geburtstag unserer Haushälterin Käthi waren wir zusammen. Wir sehen uns doch recht häufig, telefonieren auch viel.

Wird auch über Politik geredet?

Franz Georg: Gelegentlich schon. Jedenfalls mehr als in anderen Familien. Heute ist es doch nicht mehr üblich,, privat über Politik zu reden. Bei uns nicht. Das kennen wir so vom Elternhaus.

Wie war das in der Schulzeit? Wurden Sie als Strauß-Kind in der Schule gehänselt?

Max: In der Volksschule in Rott am Inn war es ganz beschaulich. Aber als ich ab September 1969 in München ins Ludwigsgymnasium kam, da wehte ein anderer Wind. Schule war damals politisch. In der Oberstufe hatten wir ordentliche Mengen an Marxisten, Linken und Langhaarigen, alles war auf Protest getrimmt. Und ich als Fünftklässler mittendrin. Das gab unter meinen Mitschülern gleich eine Solidarisierung. Ich kann eines sagen: Ich bin persönlich nie aggressiv politisch bedrängt worden.

Franz Georg: Die Mutter hat eine Grundsatzentscheidung getroffen: Wir sind im Herbst 1969 in einen Arbeiterbezirk gezogen, nach Sendling. () Unsere Mutter hatte immer Angst, dass wir abheben, dass wir salopp gesagt einen auf „Sohn von...“ machen. Also gingen wir in einer sehr bodenständigen Gegend in die Schulen. Sendling, Fürstenried – und nicht Bogenhausen oder Nymphenburg.

Max: In Rott am Inn waren wir Kinder unter Kindern. In München war das anders.

Monika: Freilich, wir waren die Zebras in der Ponyherde. Ich war todunglücklich, als ich mit sieben von der Grundschule in Rott am Inn nach München kam, in die Schule an der Zielstattstraße. Rott war Rumrennen, Freunde, Spielen. In München hatte ich gleich eine Klassenlehrerin, die politisch sehr links stand. Und die mich in der 2. Klasse massiv angegriffen hat.

Wie zeigte sich das?

Monika: Sie hat mich gezielt rausgegriffen, mich immer drangenommen, wenn sie wusste, dass ich unsicher war. Hat mich aufgezogen, an mir rumgekrittelt – wie siehst Du heute wieder aus? So hieß es dann. Oder: Was hast Du denn heute wieder an? Dann schritt meine Mutter ein, ich wechselte die Klasse und somit die Lehrerin, dann ging es besser. Auf dem Dante-Gymnasium, in der 5. Klasse, fing es dann wieder an. Eine Biologielehrerin gab mir absichtlich schlechte Noten. Meiner Mutter sagte sie: Ihr Prominentenbaby wird bei mir nie gute Noten bekommen. So was kam vor, aber es waren Ausnahmen. Ich hatte auch viele gute Lehrer, die mich besonders unterstützten. Ich erinnere mich noch an Frau Brömmel, die mich zur Leichtathletik und zum TSV 1860 brachte. Da war ich Sportkameradin und gehörte als Monika zur Mannschaft und nicht als Strauß-Tochter.

Wie stark hat sich Ihre Mutter um Schuldinge gekümmert?

Franz Georg: Unsere Mutter war da sehr engagiert, ganz klar. Sie war in unserer Kindheit immer für uns da. Sie hatte damals keine offiziellen Funktionen, nichts Karitatives zum Beispiel, wie es dann später der Fall war.

Monika: Elternbeirätin war sie, an der Grundschule und am Dante-Gymnasium. Sie hatte oft Angst um uns. Sie stand jeden Mittag am Balkon und hat gewartet, ob wir auch wieder gesund heimkommen.

Insofern eine klassische Rollenverteilung - der Vater arbeitet, die Mutter kümmert sich um die Kinder.

Franz Georg: Ja, ganz gezielt. Unsere Mutter – wenn sie anders geheiratet hätte, wäre sie wohl Unternehmerin geworden. Ihr hätte die elterliche Brauerei offen gestanden. Oder Dolmetschertätigkeiten bei der Europäischen Gemeinschaft – das hätte ihr schon gefallen. Aber sie hat immer gesagt: Ich habe gewusst, wen ich geheiratet habe. Dass nicht beide gleichzeitig Karriere machen würden, das war vollkommen klar.

Stimmen die Gerüchte, dass Sie als Kinder von der Polizei in die Schule gefahren wurden?

Monika: Das ist kein Gerücht, das ist Tatsache.

Franz Georg: So etwas Besonderes war Polizeischutz damals gar nicht. In den 1970er Jahren, in der Hochphase der RAF-Anschläge, wurde in Bayern ja jeder Staatssekretär von zwei Polizisten bewacht.

Wie ging es los?

Franz Georg: Die persönliche Bewachung ab März 1975 war eine Folge der Lorenz-Entführung (Entführung des Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz durch die „Bewegung 2. Juni“ - Anm. d. Red.). Schon davor gab es, so ab 1972, sporadisch eine Bewachung. Da saßen dann Polizisten in oder vor der Wohnung. Es gab etliche kleine Pannen. Mal sind sie eingeschlafen, mal fiel ihnen das Magazin aus der Waffe 14 Stockwerke runter, einer hat sogar mal aus Versehen in die Decke geschossen, ein anderer eine Maschinenpistole in der Toilette vergessen. Der Dienst war ja todlangweilig, die Beamten kamen oft nach einer Revierschicht zu uns, und mußten im Dunklen Wache halten.

Und die Fahrten zur Schule?

Max: Wir wurden mit einem Zivilfahrzeug abgeholt – anfangs ein VW-Käfer, in den wir uns zu dritt auf die Rückbank quetschten. Wir hörten dann fasziniert dem Polizeifunk zu.

Monika: Die Polizisten blieben auch in der Schule, sie gingen während des Unterrichts durch die Schule und schauten dass alles in Ordnung ist. Wir hatten mit den meisten Sicherheitsbeamten bald ein tolles Verhältnis. Freundschaftlich fast. Sie waren sehr verständnis- und humorvoll mit uns pubertierenden Kinder.

Max: Es gibt heute noch einen „Strauß-Stammtisch“ der Sicherheitsbeamten, einmal im Jahr kurz vor Weihnachten.

Wie wirkte das mit den Waffen auf Sie. Hatten Sie nicht Angst?

Franz Georg: Es war anders als bei den Kohl-Eltern. Walter Kohl schreibt in seinen Erinnerungen, er habe auf dem Rücksitz mit der Maschinenpistole gespielt, er habe sie blind zerlegen können. Das gab es bei uns nicht. Wir hatten keinen Zugriff auf Waffen unserer Begleitbeamten.

Monika: Waffen waren präsent. Uns wurde aber klar vermittelt: Ihr fasst das nicht an. Später lernten wir freilich schießen.

Sie haben den Waffenschein gemacht?

Max: Ich hatte mit 18 den Jagdschein, logischerweise auch den Waffenschein.

Monika: Sowohl unsere Sicherheitsbeamten als auch unsere Eltern haben uns deutlich klar gemacht, dass Waffen keine Spielgegenstände sind. Ich habe mit 18 auch die Prüfung für meinen Waffenschein absolviert und gelernt mit einer Waffe sorgfältig umzugehen.

Franz Georg: Ich auch. Zur reinen Selbstverteidigung. Waffen bekamen wir zunächst aber nicht.

Monika: Der Vater hatte eine, in einer kleinen Tasche trug er sie immer bei sich.

Franz Georg: Im Nachhinein ist ja alles glimpflich verlaufen. Die RAF hat, bei all dem Terror, den sie verbreitete, nie Kinder angegriffen. Das war wohl ein Tabu. Aber damals wusste man ja nicht, wie weit sie gehen würden, um unseren Vater unter Druck zu setzen.

Monika: Die Mami war dadurch sehr angriffen, psychisch belastet. Sie hatte Depressionen, auch Nervenzusammenbrüche. In der Gesamtschau, mit ihren Herzproblemen, war das eine gefährliche Dauerbelastung.

Teenager in der Pubertät rebellieren gerne gegen ihre Eltern – schon aus Prinzip. Sie aber nicht.

Max: Das gab es bei uns nicht. Unser Vater hat immer mit uns diskutiert. Er hat mit Begeisterung gestritten, inhaltlich, hart in der Sache. Er war da kein heiliger Franz Josef. Er war, auch wenn das seltsam klingt, nicht autoritär, wir fühlten uns immer ernst genommen. Es gab keinen Bruchpunkt.

Monika: Unser Vater hatte es nicht nötig, einem Kind die Meinung zu verbieten. Gut, manchmal wurde er schon grantig, wenn jemand vorlaut mit unüberlegtem Zeug rausplatzte. Aber er diskutierte ernsthaft mit uns und ließ uns unsere Meinung. Wir mussten uns die Dinge nur überlegt haben und unsere Meinung begründen. Uns wurde nie eine Meinung verboten. Ich war mit 16 glühende Verfechterin für Frauen in der Polizei und in der Bundeswehr. Da haben wir lange diskutiert. Für mich war die Begründung meines Vaters zunächst verblüffend: Ich will nicht, dass eine Frau geschlagen wird, potentiell aufgrund ihres Berufs physischer Gewalt ausgesetzt wird. Ich verstand ihn, war aber trotzdem anderer Meinung, hatte ich doch Judo und Taekwondo gelernt.

Franz Georg: Man muss aber auch sagen: Vater war bis 1978 (als er bayerischer Ministerpräsident wurde – Anm. d. Red.) sehr wenig da. Es wäre ja seltsam, wenn ein Vater bei der wenigen Zeit dann noch mit den Kindern streitet.

In den politischen 1970er-Jahren lag das aber in der Luft.

Monika: Oft stehen hinter Streitigkeiten ja auch höchst private Brüche in der Familie. Ich habe einmal mit einem Sohn von Willy Brandt in einer Fernsehsendung diskutiert und stellte dabei fest, dass deren Leben mit dem Vater ganz anders verlief als mein Leben mit meinem Vater. Ich war voll des Vertrauens zu meinem Vater und trug das Bewusstsein in mir, dass wir Kinder das Wichtigste für unsere Eltern waren. Wir wurden weder zu einer Rolle verpflichtet noch aus dem Leben unseres Vaters ausgegrenzt.

Max: Das gab’s bei uns nie. Nie. Wir sind ins Arbeitszimmer reinspaziert, wie wir wollten.

Franz Georg: Unser Vater war keiner, bei dem wir vorher einen Termin beantragen mussten. Das war bei Flick so, auch bei anderen Großunternehmern, dass die Kinder bei der Sekretärin um einen Termin nachfragen mussten.

Monika: Bei uns waren Geburtstage und Namenstage Papi-Tage. Da reservierte er einen ganzen Tag. Er hat mich stundenlang in Pferdeställe oder auf Fuchsjagden begleitet Oder er hat 15 Mädels vom Sportverein zum Pizzaessen eingeladen. Das hat ihm wirklich Spaß gemacht. Als ich Scharlach hatte und todunglücklich war, weil ich die bayerischen Meisterschaften im Schwimmen verpasste, reiste er aus Bonn extra an, zu mir ans Krankenbett. Das waren besondere Momente in meiner Kindheit, die ich nie vergessen habe..

Franz Georg: Dass die Eltern mal ohne Kinder in den Urlaub gefahren sind, gab’s nicht. Familie Strauß trat oft zu fünft auf. Der Vater hat uns unangekündigt mitgenommen. Ich erinnere mich an die Meisterschaftsfeier des FC Bayern 1973, ein feines Essen im Stadtmuseum – da waren wir nicht eingeplant. Unterm Tisch sah ich, wie der Sepp Maier den anderen die Schnürsenkel zusammengebunden hat. Ein Schelm. Auf dem Schreibtisch unseres Vaters in der Staatskanzlei gab es für uns ein eigenes Telefon.

Das Verhältnis war so eng, dass sie im Bundestagswahlkampf 1980 gemeinsam als Familie auftraten.

Monika: Wir haben ihn viel begleitet. Nicht weil wir mussten, sondern weil wir wollten. Damals war ich 18. Um 7 Uhr aufstehen, um 8 in der Schule, mittags abgeholt und ab in den Flieger. In der Nacht zurück. Anstrengend, aber unheimlich spannend. Klar, man identifizierte sich mit dem Vater. Es war eine aufgeheizte Atmosphäre damals im Bundestagswahlkampf 1980. Hysterisch. Gewalttätig. Düster. Strauß, der kriegslüsterne Faschist, so zeichneten die Linken das Zerrbild eines Unmenschen und verleumdeten ihn ungeniert. In Villingen-Schwenningen schossen Demonstranten mit Glaskugeln, die man ja nicht sehen konnte, auf Polizisten und auch auf uns. In Bremen wurde der Funk im Dienstwagen auf Anweisung meines Vaters abgestellt, weil man panische Schreie von Polizisten hörte, die von gewalttätigen Demontranten angegriffen und verletzt wurden – er wollte nicht, dass ich das hören muss. Ich war über diese Gewalttäter aufgebracht und fühlte mit den jungen Bereitschaftspolizisten.

Hat er Sie als Stütze mitgenommen? Oder weil es ihm im Wahlkampf nutzte?

Monika: Das zweite sicher nicht. Das hätte er nie verlangt. Aber es war manchmal hilfreich. Wir gaben ihm in diesem beinharten oft bösartigen Wahlkampf persönlichen menschlichen Rückhalt und noch etwas: In Modefragen war er nie sehr geschickt. Bei seinem ersten Fernsehauftritt als Kanzlerkandidat hatte er eine potthässliche Krawatte nebst ebenso hässlichem Anzug an. Danach beschlossen wir mit unserer Mutter: Der Papi wird nicht mehr allein gelassen. Ich habe ihm sogar in Flughafenhallen unterm

Küchenhahn die Haare gewaschen und dafür gesorgt, dass er stets einen frischen gut aussehenden Anzug, mit passenden Hemden und Krawatten anzog.. Zeitweilig hat er protestiert. Von Mal zu Mal wurde es besser dann stellte er sogar fest: Er sah jetzt gut aus, das gefiel ihm.

Franz Georg: Er hatte die Macht der Bilder unterschätzt. Schauen Sie sich Elmau an – was bleibt da hängen? Obama und das Weißbier. Wichtiger war unserem Vater immer die Kraft des Arguments. Diese langen Reden, drei Stunden und mehr. Grundsatzreden. Heute unvorstellbar, damals üblich. Da redete er drei Stunden, und am Ende sprachen die Leute, die nur einen Schnipsel in der Tagesschau gesehen hatten, über sein verschwitztes Hemd. Das hat unser Vater nicht verstanden.

Nach dem Tod 1988 sank die Reputation Ihres Vaters rapide.

Monika: Sagen wir so: Nach seinem Tod wurden seine Feinde immer dreister, weil er sich nicht mehr wehren konnte.

Max: Die eigenen Reihen haben sich distanziert.

Franz Georg: Das muss man differenzieren. Aber die ganzen Prozesse gegen Zeitungen, Magazine oder Buchautoren haben wir als Familie allein auf eigene Kosten geführt. Wenn sich der Buchautor Schlötterer (Autor des Anti-Strauß-Buches „Macht und Missbrauch – Anm. d. Red.) als oberster Steuerprüfer Bayerns zur Amtszeit des Ministerpräsidenten Strauß vorstellt, was aber einfach nicht stimmt, hätte man schon eine Richtigstellung aus dem Finanzministerium erwartet. Da hat man sich aber vornehmst zurückgehalten.

Monika: Es gab halt auch bei manchen in der CSU die Einstellung: Es könnte ja was dran sein an den Vorwürfen.

Franz Georg: Damals, in den 1990er-Jahren, wurde gewissen Journalisten die Deutungshoheit überlassen. Erst bei Schalck-Golodkowski – da hat man uns vorgehalten, wir hätten beim Milliardenkredit Provisionen kassiert. So ein Unsinn. Der Strauß-Biograph Prof. Möller schreibt es ja jetzt in dankenswerter Klarheit: Bankübliche Provisionen erhielt nur die Bayerische Landesbank, die den Kredit abwickelte. Dann die Zwick-Sache – was geht uns das an, ob der Zwick Steuern zahlt oder nicht? Dann noch Schreiber. Ich fuhr mit dem Taxi nach Haus. Da hat mich der Taxifahrer angeredet: „Wos, Sie san a Strauß. Ja, der Vater hat scho vui gmacht für Bayern. Aber a Bazi war er aa“. So war die Stimmung. Wir waren zum Abschuss frei gegeben. Und die CSU hat kaum etwas gemacht.

Monika: Darunter haben wir wirklich gelitten. Journalisten sind meinen Kindern bis in die Schule hinterher. Mein Sohn kam weinend aus der Schule, als er auf einem Bild in einer Zeitung war, in der die Behauptung erhoben wurde, bei uns seien schwarze Kassen entdeckt worden.

Wir wollen die Einzelheiten der ganzen Affären ...

Monika: Affären – Sie verwenden nach wie vor das Wort Affären. Uns bringt das wirklich auf. Es wurden viele Dinge erfunden und bis heute hat sich keiner für die Verleumdungen unserer Familie entschuldigt. Ich freue mich deshalb darüber, dass die neue Biographie von Herrn Prof. Möller mit einigen dieser Märchen sachlich gut recherchiert aufräumt.

Waren es keine Affären?

Franz Georg: Das einzige Thema, worüber man diskutieren kann, ist die Testamentsvollstreckung für die Baur-Stiftung (Strauß und sein Nachfolger Streibl erhielten dafür Vergütungen in fünfstelliger Höhe – Anm. d. Red.). Es ist mehrfach geprüft worden und der größte Teil der Einnahmen als Steuer wieder an den Freistaat Bayern geflossen. Ich würde sagen: Es war legal, aber aus heutiger Sicht nicht legitim.

Max: Stoiber hat in all den Fragen keinen Finger gerührt, um es äußerst zurückhaltend auszudrücken.

Ausgerechnet Stoiber – der ja ganz eng mit Ihrem Vater zusammenarbeitete?

Monika: Edmund Stoiber wollte sich als Saubermann in der Nachfolge von Franz Josef Strauß präsentieren.

Franz Georg: Theo Waigel war da anders – er hat immer zu uns gehalten. Er hat Gedenktage für unseren Vater organisiert, auch als das nicht in das Konzept derer passte, die „in Treue ziemlich fest waren“, wie mein Vaer das ausgedrückt hätte.

Sie, Frau Hohlmeier, haben Stoiber aber viel zu verdanken.

Monika: Natürlich. Edmund Stoiber hat mich gefördert, er hat mich als Staatssekretärin ins Kabinett geholt, er hat mir das Ministeramt zugetraut. Er hat mich politisch gefördert und gemeinsam mit ihm konnte ich wichtige bildungspolitische Fragen von inneren Schulentwicklung bis zur Durchlässigkeit des Schulwesens viel verwirklichen. Dann aber haben wir uns ein Stück weit entfremdet, vor allem aufgrund der Pfändung der Gruft meiner Eltern, wegen der jahrelangen falschen Verdächtigung meines, wie man heute weiß,unschuldigen Bruders Max durch Teile der bayerischen Justiz und aufgrund dessen, dass ich in meiner schwierigen Krankheitszeit als Sündenbock in München herhalten musste. Das ist so, dasist aber abgeschlossen. Edmund Stoiber und ich haben mittlerweile wieder ein gutes Verhältnis zueinander. Ich bin heute im Europaparlament, das ist eine tolle Aufgabe, die mich begeistert. Aber das mit dem Vater – das ist ein Punkt, in dem Edmund Stoiber vielleicht Abbitte leisten müsste

Ist die Reputation von Franz Josef Strauß heute wieder hergestellt?

Franz Georg: Sein Biograf Prof. Möller schreibt: „im Einzelnen angreifbar, im Ganzen grandios“.

Monika: Ja. Horst Seehofer ist unvoreingenommen positiv eingestellt. Und in der bayerischen Bevölkerung wird er nach wie vor von vielen sehr Wert geschätzt.

Max: Ja. Unser Vater ist heute Kult.

Zur Person: Die Kinder

Franz-Georg Strauß (54) studierte Jura und arbeitet als Medienunternehmer. Er ist verheiratet und Vorstandsvorsitzender der Marianne-Strauß-Stiftung, die unverschuldet in Not Geratene finanziell und beratend hilft.

Monika Hohlmeier (53), gelernte Hotelkauffrau, studierte Volkswirtschaft, und war von 1998 bis 2005 Bayerns Kultusministerin. 2009 zog sie für die CSU ins Europaparlament ein. Sie hat zwei Kinder und ist geschieden.

Max Strauß (56) machte eine Banklehre, studierte Rechtswissenschaften und arbeitete als Anwalt. Er ist geschieden und hat zwei Kinder.

Von Bettina Bäumlisberger und Dirk Walter

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