Bischof Tebartz-van Elst steht seit Jahren in der Kritik

Streit im Bistum Limburg eskaliert

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Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst

Wiesbaden. Der Pressesprecher des Bistums Limburg, Stefan Schnelle, ist nicht zu beneiden. Denn sein Chef Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst steht quasi seit seinem Amtsantritt im Jahr 2007 in der öffentlichen Kritik.

Der Führungsstil des 53-jährigen Bischofs wird als autoritär beschrieben, sein gesamter Auftritt als konservativ, ritualisiert und damit letztlich den Menschen wenig zugewandt.

Und seine neue Residenz mit eigener Kapelle, um die es viel Geheimniskrämerei gab, ist um ein Vielfaches teurer geworden als geplant. Wieviel sie wirklich gekostet hat, weiß keiner; denn die 9,8 Millionen Euro, die zur Einweihung Ende Juni genannt worden waren, wurden anschließend als unvollständig korrigiert. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) war zu lesen, dass außerdem nicht klar sei, woher das Geld für das Domizil mit dem Namen „Diözesanes Zentrum St. Nikolaus“ überhaupt komme.

Ende Mai war sogar bekannt geworden, dass gegen den Kirchenmann ermittelt wird wegen falscher Angaben zu einem Indien-Flug, der im vergangenen Jahr für erhebliches Aufsehen gesorgt hatte. Damals ging es um ein Upgrade in die erste Klasse mit Hilfe von Bonusmeilen. Das alles in Zeiten, in der die Kirchengemeinden den Gürtel enger schnallen sollen.

Jetzt hat sich ein neuer Streit entzündet zwischen dem Bischof und dem Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz. Der Stadtdekan, ein in Frankfurt anerkannter Mann, hatte Äußerungen des Bischofs über mangelnde Loyalität als Rücktrittaufforderung gewertet, was Tebartz-van Elst jedoch bestreitet.

Kamphaus bescheidener

Der Konflikt scheint jedoch nur ein Beispiel dafür zu sein, wie verfahren die Situation im Bistum ist, seit der ehemalige Weihbischof aus Münster Nachfolger des bescheidenen und beliebten Bischofs Franz Kamphaus wurde. Der hatte beispielsweise einen Neubau für sich stets abgelehnt.

Das Vertrauensverhältnis zwischen der Kirchenleitung und vielen Mitarbeitern und Gläubigen ist offenkundig gestört. Das zeigt ein Brief, den über 500 Katholiken am Wochenende in Frankfurt unterschrieben haben. Andere wollen sich anschließen.

Bistumssprecher Schnelle betont dagegen gegenüber unserer Zeitung, er erlebe den Bischof bei Terminen „offen und kommunikativ“. Es gebe viele Treffen mit Haupt- und mit Ehrenamtlichen der Kirche, bei denen kritische Fragen – anders als behauptet – auch gestellt werden könnten.

Im „Hofheimer Kreis“ zusammengeschlossene Priester sehen es wohl anders. Sie fordern eine „Kommission für Beteiligung und Dialog“.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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