FDP will die Tiere ins Jagdrecht aufnehmen

Streit um Jagdrecht: Kein Schuss auf den Wolf

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Wolfspopulation: Bei entsprechender Gesetzesänderung hätten Jäger nicht nur das Recht zum Schießen, sondern auch die Pflicht zur Hege.

Hannover. Es hört sich so einfach an: Ist der Wolf erst einmal dem Jagdrecht unterstellt, kann man bei Problemen schnell reagieren, sprich auffällige Raubtiere umgehend abschießen.

So denkt sich das die FDP: Der Wolf kommt neben Waschbär, Nutria, Nilgans und Co. als Nummer acht ins niedersächsische Jagdgesetz. Zunächst zwar mit ganzjähriger Schonzeit, aber die ist im Bedarfsfall einfach aufzuheben. „Dann hätte man das Instrument, um eingreifen zu können“, sagt FDP-Umweltexperte Gero Hocker. Am Mittwoch befasst sich der Landtag mit dem Gesetzentwurf der Liberalen.

Doch deren Rückhalt schwindet. Zunächst hatte sich der CDU-Abgeordnete Lutz Winkelmann, seines Zeichens Rechtsanwalt, Land- und Forstwirt sowie selbst eifriger Jäger, vehement für die Idee stark gemacht. „In Ländern, in denen eine kontrollierte Population in Grenzen bejagt wird, kommt das Phänomen nicht mehr vor, dass der Wolf wie in Niedersachsen in nicht hinnehmbarer Weise durch Siedlungsgebiete, über Hofstellen oder um Kindergärten herumstreunt“, erklärte Winkelmann vor einigen Wochen im NDR-Fernsehen.

In der Parlamentsdebatte muss der Mann aus der Wolfsregion Munster eine Kehrtwende verteidigen. Die CDU-Fraktion streift ihre Oppositionsrolle ab und will zusammen mit der rot-grünen Regierungskoalition gegen den FDP-Antrag stimmen. Die Union hat sich inzwischen den Argumenten der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) angeschlossen. Und deren Präsident ist der CDU-Abgeordnete Helmut Dammann-Tamke.

Die organisierten Grünröcke finden, dass der Wolf „zum gegenwärtigen Zeitpunkt“ nichts im Jagdrecht zu suchen habe. Eine Unterstellung unter diese Vorschriften bedeute nicht nur das Recht zum Schießen, sondern auch die Pflicht zur Hege – nämlich einen artenreichen und gesunden Wildbestand zu erhalten. Die Jäger dürften danach also die Population der Raubtiere nicht einfach reduzieren, sondern müssten im Gegenteil dafür sorgen, dass es ihnen gut geht. In einigen Jahren, wenn sich die Zahl der Rudel vehement vermehre, könne dies allerdings anders zu bewerten sein.

Im Regierungslager, das wegen der Problemwölfe in Goldenstedt und Munster seit Monaten unter Dauerbeschuss der Opposition steht, löst die ungewohnte Konstellation prompt großen Beifall aus.

„Der Wolf ist eine europaweite geschützte Art und muss deshalb im Natur- und Umweltrecht angesiedelt bleiben“, sagte Agrarminister Christian Meyer (Grüne) unserer Zeitung. Er freue sich über die Haltung der Jägerschaft. „Und ich begrüße, dass die CDU nun aller Voraussicht nach im Landtag bei der abschließenden Beratung über den FDP-Entwurf zusammen mit SPD und Grünen die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht ablehnen wird.“

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