Streit über geschlossenes Heim für kriminelle Kinder in Hessen

Wiesbaden/Sinntal. Die Einrichtung eines geschlossenen Heims für kriminelle Kinder in Hessen hat Streit in der Landespolitik ausgelöst. Die Grünen warfen der Landesregierung am Freitag vor, einen einstimmigen Landtagsbeschluss von 2010 zu missachten, der geschlossene Kinderheime ablehnt.

Die Wohngruppe für acht schwerstens verhaltensauffällige Kinder zwischen zehn und 13 Jahren wird im Jugendhilfezentrum in Sinntal-Sannerz (Main-Kinzig-Kreis) eingerichtet. Träger ist der katholische Don-Bosco-Verein des Salesianersordens. Eröffnung soll am 1. Oktober sein.

Nach Angaben des Sozialministeriums hat das Land dem Träger 1,3 Millionen Euro für Umbaumaßnahmen bezahlt, darunter für die geschützte Unterbringung. Die Kinder könnten aus der geschlossenen Wohngruppe nicht fortlaufen, sagte der Heimleiter, Pater Franz Harings, der dpa auf Anfrage. Bei der Unterbringung eines Kindes in der Einrichtung gehe es aber nicht um Strafe, sondern darum, ein schweres pädagogisches Problem zu lösen.

„Es gibt junge Menschen, die sich jedem Erziehungsversuch widersetzen.“ Kinder unter 14 Jahren sind nicht strafmündig, über die Einweisung entscheidet ein Familienrichter. Das Sozialministerium sprach in seiner Mitteilung von einer „geschützten Unterbringung“ für „strafauffällige, strafunmündige Kinder“.

Hessen habe zwischen 2005 und 2011 mehr als 40 Kinder und Jugendliche in Einrichtungen anderer Bundesländer untergebracht. Der Grünen-Abgeordnete Markus Bockelt sagte, es seien nach Angaben der kommunalen Spitzenverbände nur zehn Kinder gewesen. Es gebe daher in Hessen keinen Bedarf für ein geschlossenes Heim. „Wir sollten uns auf die Jugendhilfe fokussieren und alle Anstrengungen unternehmen, um die Einrichtung eines solchen Heims überflüssig zu machen.“

Der Landtag hatte sich in einer Anhörung mit dem harten Schicksal von Heimkindern bis 1970 beschäftigt. Viele von ihnen berichteten von Misshandlungen und Missbrauch. Deshalb hatte der Landtag 2010 beschlossen, dass es keine geschlossenen Heime mehr geben dürfe. „Eine solche geschützte Unterbringung moderner Prägung hat mit der geschlossenen Unterbringung vergangener Zeiten nichts gemein“, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums.

Deshalb widerspreche die neue Einrichtung dem Landtagsbeschluss nicht. Auf diesen Standpunkt stellten sich auch CDU und FDP. SPD und Linke sprachen sich gegen die geschlossene Unterbringung aus. (dpa)

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